Solingen: Röhre statt Brücke

Solingen: Röhre statt Brücke

Wer an einem Herbsttag eine entspannte Radtour oder Wanderung über die Korkenziehertrasse unternimmt, durchquert an der Eipaßstraße in Gräfrath einen eleganten Wellstahltunnel, der sich harmonisch in die Landschaft einfügt.

Nichts erinnert mehr daran, dass die Trasse mehrere Monate zwischen den Zugängen Oberhaaner Straße und Fürkeltrath gesperrt war. Bis zu diesem Frühjahr hatte hier eine alte Steinbrücke gestanden, die wegen erheblicher Baufälligkeit abgerissen werden musste. "Ich kannte die alte Brücke noch aus der Kinderzeit", sagt Michael Schmitz. Der passionierte Radfahrer dreht regelmäßig eine Runde über die Korkenziehertrasse – allerdings "nur in der Woche, weil am Wochenende einfach zu viel Betrieb dafür ist".

Gebaut wurde die alte Brücke am Eipaß im Jahr 1908, zu Zeiten, als hier noch die Eisenbahn fuhr. Bereits im Jahr 2008 war ein Prüfbericht zu der Erkenntnis gelangt, dass die Brücke gravierende Mängel aufwies. Zur Absicherung brachte man ein Fangnetz an, um zu verhindern, dass Passanten durch möglicherweise herabfallende Brückenteile verletzt werden konnten. Die zulässige Fahrzeuglast wurde auf 3,5 Tonnen abgesenkt. "Das war schon ein bisschen, als ob man durch eine Ruine fahren würde", merkt Schmitz an.

Im März dieses Jahres begannen dann die Abrissarbeiten. Der Fußgänger- und Radverkehr wurde in diesem Zeitraum über öffentliche Straßen geführt. An Stelle der eckigen Steinbrücke rückte nun eine 26 Meter lange Wellstahlröhre nach dem Vorbild des Rabbasol-Tunnels in Wald. Um die Röhre herum schichtete man Erdreich auf, um eine zweispurige Straße darüber führen zu können.

Das ganze Bauvorhaben kostete insgesamt 300 000 Euro. Inzwischen ist der Tunnel wieder befahrbar. Der Neubau war nach Prüfungen durch die Verwaltung billiger, als es eine Renovierung des alten Tunnels gewesen wäre. "Das Ganze sieht heute schon schicker aus als früher", findet Michael Schmitz – und schwingt sich wieder auf den Sattel, um den Weg über Gruiten und Hochdahl bis nach Ohligs einzuschlagen.

(RP)