1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Robert B. soll heute frei sein

Solingen : Robert B. soll heute frei sein

Stadt nimmt keinen Kontakt auf: Im Prozess gegen die beiden Solinger Islamisten wurden gestern in London die Urteile gesprochen. Zwölf Monate Haft für Robert B. und 16 Monate für Christian David E. Ein Teil der Strafen wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Marlis B. hat nur eine einzige Sorge: was wird ihr Sohn Robert machen, wenn er vermutlich schon heute in Solingen ankommen wird? Führt ihn sein erster Weg zu jener Moschee, in der er vor der Inhaftierung ein und ausging und in der heute der radikale Salafist Mohammed M. eine Heimat gefunden hat?

Marlis B. jedenfalls will alles tun, um das zu verhindern. Sie würde ihrem 24-jährigen Sohn, der gestern vom zentralen Londoner Strafgerichtshof Old Bailey zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, zur Seite stehen, ihm zum Beispiel bei der Suche nach einer Arbeitsstelle helfen.

Während Robert B. vermutlich schon morgen freikommt, wird der zu 16 Monaten Haft verurteilte Christian David E. noch vier Monate absitzen müssen. Auch bei ihm wird die seit Juli vergangenen Jahres andauernde Untersuchungshaft angerechnet. Beide Männer dürfen England nie wieder betreten, andernfalls müssten sie ihre zur Bewährung ausgesetzten Reststrafen verbüßen.

Die beiden zum Islam konvertieren Solinger waren im vergangenen Sommer bei ihrer Einreise mit der Fähre nach Dover von den britischen Behörden festgenommen worden. Auf ihren Laptops fand die Polizei unter anderem Artikel "Wie man in der Küche seiner Mutter eine Bombe baut" und "39 Möglichkeiten, den Dschihad zu unterstützen".

Nach deutschem Recht hätten sie sich allein damit nicht strafbar gemacht, in England gibt es weit strengere Antiterrorgesetze. Insider gehen jedoch davon aus, dass deutsche Ermittlungsbehörden ihrem britischen Kollegen einen Tipp zur bevorstehenden Einreise der beiden Solinger gaben.

Den Prozess im Saal des ehrwürdigen Old Bailey verfolgt hat gestern Marlis B., die zusammen mit ihrem Rechtsbeistand Burkhard Benecken nach London gereist war. "Frau B. ist mit dem Urteil sehr zufrieden", sagt der Strafverteidiger aus Marl im Gespräch mit unserer Zeitung.

Beim Betreten des Saales habe Frau B. laut den Namen ihres Sohnes gerufen. "Robert drehte sich dann zu ihr hin und hat ihr zugeblinzelt", berichtet Burkhard Benecken. Dies lässt in der 57-jährigen Solingerin die Hoffnung aufkeimen, dass ihr Sohn nach seiner Freilassung Kontakt zu ihr und nicht zu den Salafisten aufnehmen wird. Freigelassen werden soll Robert B. heute.

Er werde dann von der Polizei bis zum Flughafen begleitet und in eine Maschine nach Deutschland gesetzt, erklärt Anwalt Benecken. Er selbst und Marlis B. traten gestern Abend den Heimweg an und nahmen um 21 Uhr die Fähre von Dover nach Calais. Die Fahrt nach Solingen dauerte dann noch rund drei Stunden.

Hier geht es zur Infostrecke: Fakten zum Salafismus in Deutschland

(RP/rl/jco)