Solingen: Rektor mit spannender Geschichte

Solingen: Rektor mit spannender Geschichte

Andreas Tempel, der neue Schulleiter der Gesamtschule Solingen, favorisiert nicht nur den bloßen Theoriestoff in trockenen Unterrichtsbüchern. Das hängt auch mit der interessanten Lebensgeschichte des Deutsch- und Geschichtslehrers zusammen.

Er hat einiges von der Welt gesehen. Alt-Amerikanistik und Archäologie hat er einige Semester neben seinen Unterrichtsfächern Deutsch und Geschichte studiert. Den NSU Prinz 1000 L, den schon sein Vater in den 60er Jahren fuhr, hat er letztes Jahr neu aufarbeiten lassen; und in Wuppertal-Cronenberg restauriert der Bergische Andreas Tempel ein Fachwerkhaus mit viel Eigenleistung, soweit es seine Zeit zulässt. Deshalb ist das Projekt auch auf Jahre angelegt. "Es gibt noch reichlich zu tun", sagt er.

Der neue Schulleiter der Gesamtschule Solingen hat eine außergewöhnliche Lebensgeschichte zu bieten. Gewiss haben ihn die Erfahrungen in unterschiedlichen Berufen und in einem weiten Feld über den sprichwörtlichen Tellerrand von Schule hinaus geprägt. Davon erzählt er. Das habe ihm bestärkt, durchaus auch einmal andere Formen des Lernens zu favorisieren, nicht immer nur den Theoriestoff in den Schulbüchern.

Der 52-Jährige ist froh, dass die Gesamtschule Solingen hier Spezialitäten mit besonderen Projekten zu bieten hat. Das passe zu ihm, sagt der Vater einer 22-jährigen Tochter.

Beispielhaft sind für Tempel der Technikschwerpunkt und das große Musical-Theater-Projekt der Gesamtschule an der Wupperstraße. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Solingen — Ness-Ziona sind derzeit Schüler der Schule in Israel. Auch dies ist für den neuen Rektor exemplarisch, weil ihm Schulpartnerschaften ein Anliegen sind.

Auf Reisen nach Tibet, Indien und China, aber auch nach Nordafrika und Israel habe er entscheidende Lebenserfahrungen im Hinblick auf Toleranz und Miteinander gemacht. Alle Menschen seien doch fast überall Ausländer, sagt er. "Mir ist viel Gastfreundschaft begegnet" — von Menschen, die deutlich weniger gehabt hätten als er.

Seit einer Woche leitet Tempel jetzt die Gesamtschule Solingen. Die Nachfolge auf den in den Ruhestand verabschiedeten Gerhard Müller, der als Rektor drei Jahrzehnte die Entwicklung der Schule geprägt hat, erfolgte unmittelbar. "Die Schule ist richtig gut aufgestellt", erlebt Tempel seinen neuen Arbeitsplatz. Als Bürde sieht der 52-Jährige das allerdings nicht; im Gegenteil: Er trete ein tolles Erbe an.

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Tempel ist Gesamtschullehrer aus Überzeugung. Eine Schule, in der alle Kinder ganz unterschiedlicher Begabungen unter einem Dach lernen können, ist ihm wichtig.

Seit 1995 hat er an der Remscheider Sophie-Scholl-Gesamtschule unterrichtet. Er war unter anderem Beratungslehrer für die Oberstufe und von Anfang an Klassenlehrer. Es sei wichtig, ist er überzeugt, wenn unter den Schülern eine gute Klassengemeinschaft entsteht. Als Lehrer hat darauf hingewirkt. Der neue Rektor der Gesamtschule Solingen unterrichtet in diesem Schuljahr parallel noch an seiner alten Schule. Zwei Geschichtskurse führt er zum Abitur, um den Schülern einen Lehrerwechsel so kurz vor der entscheidenden Abschlussprüfung zu ersparen.

Zivildienst im Altenheim

Nach seinem eigenen Abitur machte er zunächst seinen Zivildienst in einem Wuppertaler Altenheim. Anschließend bleibt Tempel in dem Haus sechs Jahre in der Altenpflege tätig. Während des Studiums in Wuppertal und Bonn hatte er einige Zusatzjobs, unter anderem als Museumsführer im Schloss Benrath in Düsseldorf.

Nach dem Studienabschluss leitete er in der Landeshauptstadt dann ein Tagesinternat für jugendliche Aussiedler. Weil es mit seiner Fächerkombination im Schuldienst zu jener Zeit keine Chance auf Einstellung gab, arbeitete Tempel nach dem Referendariat zunächst in der Schulsozialarbeit der Diakonie in Düsseldorf. Wenn er heute davon erzählt, wird deutlich, dass er auch diese Lebenserfahrung nicht mehr missen möchte.

(RP/rl)
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