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Solingen: Raucherdemo: Wirte beklagen hohe Umsatzverluste

Solingen : Raucherdemo: Wirte beklagen hohe Umsatzverluste

"Wir Raucher sind Hunden gleichgestellt. Wir müssen draußen bleiben". An markigen Sprüchen mangelte es nicht bei einer Demonstration "gegen Bevormundung, Kneipensterben und das NRW-Rauchverbot" am Sonntag auf dem Fronhof.

Ein buntes Spektrum von Organisationen hatte zu dieser Demonstration aufgerufen, mit der gegen die Verschärfung des Rauchverbotes durch die Neuerungen im Nichtraucherschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen protestiert werden sollte. Veranstaltet hatte die Kundgebung auf dem Fronhof Ilona Steinhaus-Vieth, eine nach eigenem Bekunden "normale Bürgerin", die sich nicht den Mund verbieten lassen wolle. Die Demonstration begann mit Musik, ein Bierwagen war aufgestellt, bevor die Redner auf die Bühne auf einem Lastwagen kletterten.

Besonders engagiert sich das Düsseldorfer "Komitee zur Wahrung der Bürgerrechte" in der Angelegenheit. Dieses Komitee wurde eigens zum Kampf gegen das Nichtraucherschutzgesetz in der jetzigen Form ins Leben gerufen und bündelt die einzelnen Initiativen, wie Dr. Monika Müller-Klar den Zuhörern erklärte.

Die Ärztin behauptete, dass durch andere Schadstoffe eine viel höhere Gesundheitsbedrohung entstehe, als durch Rauchen. Gegen Raucher werde eine Hatz veranstaltet, während aus kommerziellen Interessen zum Beispiel die umweltbelastende Industrie geschont werde. Auf der Strecke blieben Kneipen, deren kulturellen Wert die Rednerin betonte.

Geplant ist von den Rauchern, die sich in ihrer Freiheit eingeschränkt sehen, ein Volksentscheid herbeizuführen. Dazu seien bereits viele Unterschriften gesammelt worden, so Christoph Lövenich vom Bürgerrechts-Komitee, doch arbeite auch die Stadt Solingen gegen die Initiative, indem Unterschriften und Adressen nicht bestätigt würden. Dass das von der rot-grünen Landesregierung novellierte Gesetz in der SPD nicht überall auf Zustimmung stößt, erklärte Helgo Ollmann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Mitte, der gemeinsam mit einigen Jusos gegen das Gesetz kämpft. Schon nach dem vorherigen Gesetzessstand seien 80 Prozent der Kneipen rauchfrei. Das reiche aus und lasse Nichtrauchern genügend Wahlfreiheit.

Andreas Heibach, Inhaber des "Al B'Andy" und des Walder Stadtsaals, wies auf die Auswirkungen auf die Kneipen aus seiner Sicht hin. Die Umsätze seien im September um 30 Prozent zurückgegangen. Auch die Nichtraucher kämen seltener und bei Gesellschaften sei die Stimmung draußen bei den Rauchern oft besser als im Saal. "Raucher sind eben gesellige Menschen", so Heibach, auch die Nichtraucher wollten sie im Saal haben.

(RP)