Solingen: Raubüberfall aus Geldnot

Solingen : Raubüberfall aus Geldnot

Ein 37 Jahre alter Solinger muss sich seit gestern vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. Er hat gestanden, eine 42-jährige Mitarbeiterin einer Walder Elektrofirma mit einer Waffe bedroht und gefesselt zu haben.

Äußerst reumütig zeigte sich der 37-jährige Solinger an seinem ersten Verhandlungstag vor der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Wuppertal. "Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich das sofort tun", betonte der Familienvater. Er gestand, am 2. September 2006 eine Mitarbeiterin einer Elektrofirma in Wald mit einer Waffe bedroht und sie beraubt und gefesselt zu haben.

Weil seine Familie tief verschuldet sei und es nach seiner zweijährigen Tätigkeit in einer Zeitarbeitsfirma noch immer keine Aussicht auf einen festen Job gebe, habe er sich von einem Jugendfreund aus Remscheid zu der Tat überreden lassen. Einen Namen wollte der 37-Jährige nicht nennen — aus Angst, der Mann würde seinen Kindern etwas antun. Von diesem Bekannten habe er erfahren, dass der Inhaber des Elekroladens in Wald Schwarzgeld in Höhe von 40 000 Euro besitze.

An besagtem Abend habe er ihm auf dem Gelände der Firma aufgelauert. Doch statt dessen sei gegen 23 Uhr plötzlich dessen Ehefrau herausgekommen. "Ich war so überrascht, dass es eine Frau war", erzählte der Solinger. Mit seiner Gaspistole habe er sie zurück ins Haus gedrängt. "Ich habe ihr gesagt, dass ihr Ehemann mich beauftragt hat, sie zu vergewaltigen und zu töten. 5000 Euro hätte ich bereits kassiert, weitere 5000 sollten nach der Tat folgen. Damit wollte ich sie einschüchtern und den Verdacht auf ihren Mann lenken", gestand er.

Gleichzeitig betonte er mehrmals, wie "krank und kaputt" die Frau, die an Bulimie leidet, aussah. "Sie tat mir so leid. Deshalb habe ich ihr immer wieder gesagt, dass ihr nichts passieren würde", erzählte der Angeklagte. Er habe sie sogar gestützt und für frische Luft gesorgt, als sie vor Angst beinahe umgekippt sei.

Die 42-Jährige, die gestern selbst als Zeugin auftrat, bestätigte das teilweise. Auch berichtete sie, dass der Solinger den Tresor sehen wollte, darin aber nur Fahrzeugbriefe, Schlüssel und einen Umschlag mit rund 1000 Euro Bargeld fand. Er habe das Geld an sich genommen, aus ihrer Handtasche weitere 50 Euro und den Wagenschlüssel entwendet. Dann habe er sie gefesselt und sich davon gemacht.

Die Verhandlung könnte noch einige Überraschungen bereithalten. Denn gestern Nachmittag trat ein weiterer Zeuge auf, der die Kammer aufhorchen ließ. Der 46-Jährige ist ein Verwandter des beraubten Ehepaares und liegt seit Jahren mit ihnen im Clinch. Ihn interessiere wenig, was da passiert sei, sagte er vor Gericht. Sein Desinteresse, aber auch die Tatsache, dass er dem Angeklagten im Vorfeld viele Details über die Eheleute erzählt hatte, ließ den Richter mutmaßen: "Vielleicht sind Sie ja der Hintermann. So wie Sie sich hier verhalten, sind Sie jedenfalls im Kreise der Verdächtigen."

(RP)
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