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Solingen: Radfahrer geben Solingen schlechte Noten

Solingen : Radfahrer geben Solingen schlechte Noten

Der Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubsstellt der Klingenstadt ein schlechtes Zeugnis aus.

Eckhard Plath ist viel mit seinem Fahrrad in Solingen unterwegs. Und so muss er nicht lange nachdenken, um zahlreiche Beispiele für kritische Stellen für Radfahrer in der Stadt zu finden: Er erzählt von Radwegen, die völlig unvermittelt auf der Straße enden wie an der Kölner Straße. Von zu kleinen Haltespuren, aus denen der Bus weit in den Radweg ragt und die Radler in den Straßenverkehr zwingt wie am Bahnhof Mitte. Und von Baustellen, die immer wieder Fahrradwege blockieren.

"Die Verleihung des Agenda-Preises 2014 der Stadt Solingen an den Runden Tisch Radverkehr in der vergangenen Woche hat das Thema Mobilität, hier besonders das Thema ökologisch nachhaltige Mobilität, noch einmal positiv in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt", freut sich Plath - und weiß zugleich nicht nur aus eigener Erfahrung, dass er und seine Mitstreiter vom Runden Tisch Radverkehr, dass Politik und Verwaltung und nicht zuletzt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in der Klingenstadt noch allerhand zu tun haben: Denn fast zeitgleich mit der Auszeichnung ist jetzt der ADFC-Fahrradklima-Test 2014 erschienen.

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Und der stellt der Fahrradstadt Solingen ein überaus schlechtes Zeugnis aus. Bei den Städten zwischen 100 000 und 200 000 Einwohnern in Nordrhein-Westfalen erreichte die Stadt nur den zehnten von 13 Plätzen, im Bundesgebiet sogar nur den 31. von 37 Plätzen.

Insgesamt gaben die 113 Teilnehmer der Studie der Stadt die Note 4,4, der Gesamtdurchschnitt vergleichbar großer Städte liegt bei deutlich besseren 3,9.

Dementsprechend lang ist auch die Liste der größten Kritikpunkte: So bemängeln die Teilnehmer unter anderem, dass man als Radfahrer in Solingen nicht ernst genommen werde, dass kaum etwas für den Radverkehr getan werde, dass geduldet werde, wenn Autos auf dem Radweg parkten, dass Radwege selten gereinigt, nicht von Hindernissen befreit und im Winter nicht geräumt würden und dass Ampelschaltungen nicht gut auf Radfahrer ausgerichtet seien. Deutliche Kritik äußerten die Teilnehmer der Studie auch an der Sicherheit beim Radfahren, der Großteil fühlt sich gefährdet und berichtet von häufigen Konflikten mit Autofahrern sowie Bedrängungssituationen auf der Fahrbahn.

Schlechte Noten hagelte es auch in der Rubrik "Komfort beim Radfahren": Radwege und Radfahrstreifen seien oft zu schmal, holperig und in baulich schlechtem Zustand, an Baustellen würden Radler meistens zum Absteigen gezwungen. Bemängelt wird außerdem, dass es keine öffentlich verfügbaren Leihfahrräder oder touristische Fahrradvermietungen gibt.

"Die Auswertung der Stellungnahmen zeigt sehr deutlich, wie bedeutsam einerseits die Arbeit des Runden Tisches gewesen ist, sie aber andererseits auch weiterhin ganz unverzichtbar bleibt", sagt Eckhard Plath. Er ist überzeugt: "Radfahren ist inzwischen auch in Solingen ein Thema. Während die Solinger Ergebnisse der Umfrage im Jahr 2012 noch mangels Repräsentativität nicht in die Wertung aufgenommen werden konnte, haben sich Ende 2014 weit über 100 Radfahrende an der Umfrage beteiligt. Das ist ein guter Wert." Und Eckhard Plath weiß der Studie noch etwas Gutes abzugewinnen: "Ein allerdings leicht ironisch anzumerkender positiver Ausreißer in der Studie ist die vergleichsweise niedrige Diebstahlquote in Solingen. Sicher nicht verwunderlich: Wo wenig bewegt wird, wird auch wenig gestohlen."

(mxh)