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Solingen: Punkteabbau schwieriger - und teurer

Solingen : Punkteabbau schwieriger - und teurer

Vor der Reform des Bußgeldkatalogs versuchten viele Verkehrssünder, ihre Punktelast durch Kurse zu reduzieren.

Viele alte Unterlagen haben ausgedient und landen im Müll. "Wann neues Anschauungsmaterial kommt, wissen wir noch gar nicht", sagt Andreas von Kalben. Der Fahrlehrer leitet bei der Academy Fahrschule Müller am Schlagbaum die Aufbauseminare für Punkteabbau, kurz ASP. Die heißen seit dem 1. Mai Fahreignungsseminare (FES).

Doch der Name ist nicht die einzige Änderung, mit der sich der Fahrlehrer beschäftigen muss: Mit der Umstellung der Punktekartei für Verkehrsverstöße entfällt die Verpflichtung für einige Verkehrssünder, das Seminar zum Punkteabbau zu belegen. "Bis vor einem halben Jahr sind rund 80 Prozent der ASP-Teilnehmer auf Anordnung gekommen, weil sie 14 Punkte und mehr hatten", erklärt von Kalben.

Die Anmeldefrist betrug zwei Monate, wer sie verstreichen ließ, musste mit dem Entzug des Führerscheins rechnen. "In den letzten Monaten besuchten uns mehr Autofahrer aus freien Stücken, weil sie die Gelegenheit nutzen wollten, nach dem alten System noch Punkte abzubauen", sagt der Seminarleiter.

Zwischen drei und zehn Punkten hatten viele Gäste in Flensburg angehäuft. Ursache Nummer eins ist dabei weiterhin die überhöhte Geschwindigkeit. "Das ist vor allem außerorts ein Problem", erklärt von Kalben, der im Zuge des ASP-Kurses den Teilnehmern bei Beobachtungsfahrten über die Schulter schaute und dadurch immer wieder mit dem Routineverhalten erfahrener Autofahrer konfrontiert wurde: "Da wird häufig nicht genug auf die Schilder geachtet und das Tempo nicht konsequent gedrosselt."

Auch das Telefonieren am Steuer, zu geringer Abstand, verbotenes Überholen und Überfahren von roten Ampeln sind Verfehlungen, die die Kursteilnehmer sich eingestehen müssen. Das falle anfangs vielen Teilnehmern schwer, erzählt von Kalben. "Einige schimpfen da über die vermeintliche Abzocke." Im Laufe der Zeit zeige sich aber immer mehr Einsicht. Allerdings sehe er manche Gesichter nach Jahren wieder.

Ist die Punktezahl wieder angestiegen, können die Verkehrssünder nach fünf Jahren erneut durch ein Seminar Punkte abbauen. Die Teilnahme geschieht künftig allerdings nicht nur auf Anordnung, sondern ist freiwillig. Die Bobachtungsfahrten gibt es nicht mehr. Auch kommen höhere Kosten auf die Teilnehmer zu, weil zu den beiden Seminarterminen mit dem Fahrlehrer noch Sitzungen mit einem Verkehrspsychologen hinzukommen. Bisher lagen die Preise zwischen 250 und 300 Euro. Zudem gibt es künftig weniger Abzüge: Wer etwa vier bis fünf Punkte auf seinem Konto hat, kann durch die Teilnahme beim Seminar lediglich einen Punkt abbauen. Bei sechs oder sieben Punkten, die schon mit einer Verwarnung verbunden sind, gibt es auch nach den insgesamt vier Sitzungen keinen Ablass. "Deshalb werden sich zunächst wohl auch weniger Teilnehmer finden", vermutet von Kalben.

Wann die Fahrschule das erste Fahreignungsseminar anbietet, ist unklar: Zwar wäre ein Kurs auch mit nur einem Teilnehmer möglich. "Aber zwei bis drei wären natürlich angenehmer", sagt der Fahrlehrer.

(ied)