Prozessauftakt: 84-Jährige in Solingen vergewaltigt

Pflegeheim in Solingen : Prozessauftakt – 84-Jährige vergewaltigt

Nach der Vergewaltigung einer 84 Jahre alten Wachkoma-Patientin in einem Solinger Pflegeheim hat nun der Prozess in Wuppertal begonnen. Die DNA des Angeklagten wurde am Tatort gefunden, er bestreitet die Tat dennoch.

Eine alte Dame liegt in ihrem Bett. Deren Pflegekraft wird später sagen, dass die 84-jährige nach einem Schlaganfall im Wachkoma geblieben sei. Manchmal könne man an ihrer Mimik erkennen, ob die hilflose Frau unter Schmerzen leide. Man möchte sich nicht vorstellen müssen, was ihre Augen in den frühen Morgenstunden des 27. Mai wohl mitgeteilt hätten, wenn jemand hineingeschaut hätte.

Der 48-jährige Angeklagte aus Solingen dürfte das eher nicht getan haben. Als er zwischen 3 und 5 Uhr morgens in das Zimmer des Opfers im Evangelischen Wohn- und Pflegezentrum an der Cronenberger Straße eingedrungen sein soll, war es dort stockdunkel. Der Italiener soll das Gitter des Pflegebetts heruntergeklappt haben, um die Frau zu vergewaltigen.

Im gleichen Zimmer: Der Ehemann des Opfers, der sich später gegenüber einer Pflegekraft daran erinnerte, dass ein Mann aus dem Bett seiner Frau gestiegen sei. Mittelgroß, dunkle Haare und ein helles Shirt – er habe den Mann für einen Pfleger gehalten. Zuvor allerdings hatte sich der 89-Jährige fragen lassen müssen, ob er Sex mit seiner Frau gehabt habe.

Einer Altenpflegerin war unter anderem aufgefallen, dass die Unterhose der Frau an einer Seite aufgerissen war. Der Ehemann habe gleich gesagt, dass er seiner Frau nicht zu nahe gekommen sei, erinnerte sich die Altenpflegerin an ein Gespräch noch am gleichen Morgen. Danach habe er von den nächtlichen Beobachtungen erzählt, woraufhin sie die Polizei gerufen habe. Die Rezeption sei im Übrigen nachts nicht besetzt, die Türe hat einen Bewegungsmelder. Es gebe zwar Kontrollgänge, allerdings habe sich der Nachtdienst um mehrere Stationen zu kümmern.

Der Angeklagte redete ohne Punkt und Komma – mit der Tat will er nichts zu tun haben. Dass er nur 400 Meter vom Seniorenheim entfernt wohne? Nein, es seien mindestens 600 Meter bergauf und bergab – so leicht komme er da gar nicht hin. Und dann noch die Fragen nach seinem Alkoholkonsum. Mittags trinke er mal ein Glas Wein und abends ein Bierchen, aber mehr nicht. Die Frage danach, ob er die alte Dame im Vollrausch vergewaltigt habe, stelle sich für ihn nicht. Dass man seine DNA am Tatort gefunden hatte? Alles Unsinn – die sei schon falsch gewesen, als man ihn damit vor Jahren einer anderen Tat überführt habe, für die er im Gefängnis gesessen habe. „Wir reden hier von einem Verhältnis von 1:300 Milliarden“, wies der Vorsitzende Richter Holger Jung auf die Unwahrscheinlichkeit eines Ermittlungsfehlers hin.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Die Kammer kündigte bereits an, dass man im Falle der Verurteilung des Angeklagten auch über eine mögliche Sicherungsverwahrung entscheiden werde.

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