1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Prozess wegen Bedrohung und Körperverletzung: Solinger nimmt Berufung zurück

Prozess am Landgericht : Angeklagter nimmt Berufung zurück

Am Amtsgericht war ein Solinger wegen Bedrohung und Körperverletzung zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Der Richter machte deutlich, dass der 29-Jährige die Möglichkeit einer Bewährung verwirkt habe.

Acht Monate Haft ohne Bewährung wegen Bedrohung und Körperverletzung: Das hätte der Angeklagte gerne noch irgendwie anders hingebogen. Verhängt im Februar vom Amtsgericht, war er gegen das Urteil in Berufung gegangen, um gleich zu Beginn der Verhandlung vom Berufungsrichter zu hören: „Die Chancen auf eine Bewährungsstrafe stehen nicht gut.“

Der 29-Jährige soll im Mai 2019 seiner Ex-Freundin etliche Textnachrichten geschickt haben, in denen unter anderem gestanden haben soll: „Wenn ich Dich sehe, bist Du tot im Wald.“ Am Folgetag soll er die 18-Jährige abgefangen und in einen nahegelegenen Waldweg gezerrt haben. Nachdem sie sich geweigert hatte, ihm ihr Handy zu geben und das Mobiltelefon stattdessen in den Wald geworfen habe, soll der Angeklagte sein Opfer erst in den Rücken und danach mit einer Hundeleine gegen die Beine geschlagen haben. Dazu soll er die Frau am Hals gepackt und gewürgt haben.

Dem Berufungsrichter legte der Angeklagte einen erst vor wenigen Tagen unterschriebenen Arbeitsvertrag über neun Wochenstunden und einen Mietvertrag vor, der sich so las, als wäre die Wohnung für jemand anderes reserviert. Wohlwissend, das derart kurzfristig vor einem Gerichtstermin abgeschlossene Verträge ein „Geschmäckle“ hinterlassen, sah das Gericht keine großen Erfolgsaussichten für die Berufung.

  • Justitia ist die römische Göttin der
    Notorischer Schwarzfahrer vor Gericht : Richter schicken Haaner ohne Fahrschein hinter Gitter
  • Prozess am Landgericht : Gericht rät zur stationären Therapie
  • Acht Monate Bewährungsstrafe bekam einer der
    Amtsgericht Mönchengladbach : Schweinekopf-Prozess: eine Krankmeldung und ein Geständnis

Schwerer wog allerdings, dass der Angeklagte einschlägig vorbestraft und dafür bereits zu acht Monaten Haft verurteilt worden war, nachdem er seiner damaligen Freundin im Walder Stadtpark ein Bierglas mit voller Wucht ins Gesicht geworfen hatte. Wegen eines Bewährungsverstoßes musste er die ursprünglich zur Bewährung ausgesetzte Strafe im offenen Vollzug absitzen, um dort Drogen in seinem Haftraum zu bunkern. Es folgte die Verlegung in den geschlossenen Vollzug, die Entlassung und besagter Übergriff auf die damals  „neue“ Freundin.

 Nun soll es erneut eine Freundin geben, und der Solinger hatte vor Gericht beteuert, alles in seinem Leben ändern zu wollen. Aus Sicht des Gerichts gehörte dazu jedoch, dass er zu seinen Taten stehe und die Konsequenzen trage – die Möglichkeit einer Bewährung habe er verwirkt.

Der Angeklagte nahm die Berufung zurück und muss nun erneut eine Haftstrafe im offenen Vollzug antreten. Dass er das möglichst ohne Drogen tun solle, gab ihm der Berufungsrichters noch mit auf den Weg.