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Solingen: Probleme an der Basis der Flüchtlingsarbeit

Solingen : Probleme an der Basis der Flüchtlingsarbeit

Als Ex-Mitarbeiterin des Solinger Sozialamtes regt Veselina Wirtz an, mehr Migranten in der Verwaltung einzustellen. Hier wird reagiert.

Veselina Wirtz hat am Schreibtisch die Seiten gewechselt. Als die gebürtige Bulgarin im Juni 2001 nach Deutschland gekommen war, hat sie beim Ausländeramt einer Sachbearbeiterin ihre Beweggründe darstellen müssen. "Ich wollte in einer Demokratie leben und arbeiten." Sie hat eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten absolviert und als Verwaltungswirtin abgeschlossen. Schließlich betreute sie sechs Jahre nach ihrer Einreise bei der Kreisverwaltung Mettmann selbst Migranten und sammelte erste Erkenntnisse, wie deren Anträge und Anliegen bearbeitet werden.

"Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Migranten Vertrauen fassen und die Scheu vor den Behörden verlieren, wenn ihnen jemand gegenüber sitzt, der den gleichen Weg gegangen ist und womöglich auch noch ihre Sprache spricht." Veselina Wirtz hatte aber auch das Gefühl, dass ihr Engagement unter den Kollegen nicht gerne gesehen wurde. "Ich habe nur Ratschläge gegeben, wie Leistungen abgerufen werden können, die sich auf die Gesetzgebung beziehen." So auch im Solinger Sozialamt, wo die 38-Jährige nach ihrer Elternzeit und einem Arbeitsjahr im NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales fünf Monate beschäftigt war. "Die Zeit im Ministerium hat mir mehr gegeben als die zehn Jahre zuvor im Kreis Mettmann." Sie habe in Gelsenkirchen und im Kreis Herford erlebt, wie Migration vorbildlich gelebt und umgesetzt werde.

Ihre erworbenen Kenntnisse wollte Veselina Wirtz bei der Integrationsarbeit in Solingen umsetzen - und stieß in der Probezeit an Grenzen. "Die geleistete Arbeit ist gut, aber es fehlt die Zeit." Knapp 1000 Flüchtligen werden aktuell betreut, monatlich kommen etwa 50 dazu. "Ich habe die Zustände in Ausländer- und Flüchtlingsämtern erlebt und habe den Eindruck gewonnen, dass man an der Basis aneinander vorbeiredet." Die Wahl-Solingerin regt daher an, mehr Migranten an den entsprechenden Stellen in der Verwaltung einzustellen. "Integrationsgipfel, runde Tische und weitere politische Vorhaben sind nur Alibi-Veranstaltungen, die nur dann Erfolge bewirken können, wenn sie von den Sachbearbeitern mitgetragen werden."

Die kontinuierlich steigenden Flüchtlingszahlen erhöhen den Bedarf an Mitarbeitern im Solinger Sozialamt. In Kürze sollen zwei neu geschaffene Stellen besetzt werden. Diese sind extern ausgeschrieben worden, "weil bevorzugt Mitarbeiter mit Migrationshintergrund eingestellt werden sollen", wie Stadtdienstleiter Jürgen Albermann erklärt. Das Vorhaben könne auch umgesetzt werden, weil es qualifizierte Bewerberinnen gebe. "Alle Sprachen und Nationalitäten werden wir wohl nie abdecken." Alternativ gebe es den Übersetzungsdienst des Kommunalen Integrationszentrums, mit dem die Zusammenarbeit sehr gut funktioniere.

(gra)