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Probefahrten für Solinger BOB starten später

Modellprojekt der Solinger Verkehrsbetriebe : Testphase für Batterie-Obusse startet später

Wegen kleinerer technischer Probleme sowie der Baustelle am Abteiweg gehen die neuen BOBs auf der Linie 695 erst 2019 auf Tour.

Buskunden, die regelmäßig mit der Stadtwerke-Linie 695 unterwegs sind, müssen sich weiter in Geduld üben. Denn nachdem der Beginn der Testphase für die neuen Batterie-Obusse (BOB) auf der Strecke zwischen Gräfrath und Meigen eigentlich für Anfang November vorgesehen gewesen ist, steht nun fest, dass sich dieser Termin nicht halten lassen wird.

Wie eine Sprecherin der Verkehrsbetriebe bei den Stadtwerken Solignen (SWS) in dieser Woche bestätigte, wird sich der Start um rund ein halbes Jahr verzögern. „Die augenblicklichen Planungen gehen davon aus, dass es im Frühjahr 2019 losgehen wird“, sagte die Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. Als Grund für die Verschiebung nannte sie zum einen die derzeitige Baustelle an der Endhaltestelle Abteiweg in Gräfrath, die noch nicht abgeschlossen sei. Zum anderen gebe es aber auch technische Probleme, die vor einer Aufnahme des regulären BOB-Linienbetriebs ausgeräumt sein müssten.

An dem zeitlichen Gesamtfahrplan des ehrgeizigen Projekts, mit dessen Hilfe im Öffentlichen Personennahverkehr eine neue Epoche der Elektromobilität eingeleitet werden soll, ändert sich laut Stadtwerken indes nichts. „Der gesamte Modellversuch wird im Jahr 2022 beendet werden“, sagte die SWS-Sprecherin.

Bis zu diesem Zeitpunkt erhoffen sich die Verantwortlichen bei den Stadtwerken Solingen sowie ihre Kooperationspartner – unter anderem von der Bergischen Universität und aus verschiedenen Firmen – genaue Erkenntnisse darüber, wie bereits vorhandene Oberleitungssysteme dazu genutzt werden können, Batterien bei laufendem Betrieb aufzuladen.

Wobei mit dem BOB-Projekt große Erwartungen verbunden sind. Sollte es nämlich gelingen, sozusagen bei voller Fahrt neue Energie für die Elektromotoren zu „tanken“, wäre es später einmal denkbar, ganz auf Dieselaggregate in den Fahrzeugen zu verzichten und den Solinger Busverkehr mit seinen ohnehin vorhandenen Obussen sowie den ÖPNV in anderen Städten in Gänze emissionsfrei auf die Straßen zu bringen.

Gleichwohl ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Zunächst einmal muss die moderne Technik  den Härtetest im Alltag bestehen, wozu sich die knapp zehn Kilometer lange Linie 695 vom Abteiweg in Gräfrath nach Meigen besonders anbietet. Denn bisher wird die Strecke mit Dieselbussen betrieben. Lediglich 2,3 Kilometer verfügen über eine Oberleitung. Ziel ist es, in der Probephase die Dieselbusse durch die insgesamt vier BOBs zu ersetzen, deren Batterien dann unter der relativ kurzen Oberleitungsstrecke aufgeladen werden.

In den zurückliegenden Wochen wurden schon Testfahrten im morgendlichen Schülerverkehr der Obus-Linien 681 und 682 sowie im „gemischten“ Einsatz unter anderem auf den Linien 684 und 685 / 686 durchgeführt. Tatsächlich verliefen die Fahrten unter realen Bedingungen durchaus zufriedenstellend, wie die SWS jetzt betonten. Allerdings steckt der Teufel im Detail. So wurden die Batterie-Obusse bei den Proben aufs Exempel mehrfach durch kleinere Pannen ausgebremst. Beispielsweise bekamen die Fahrer Fehlermeldungen zur Batteriekühlung – mit der Konsequenz, dass es jeweils nicht weiterging und die BOBs zurück in ins Depot mussten.

Dort werden nun von den Stadtwerken, der Uni sowie den beteiligten Firmen zusätzliche Tests vorgenommen, um im Frühjahr 2019 endgültig startklar zu sein. Auf diese Weise glauben die SWS, Erfahrungen aus anderen Städten wie Berlin vermeiden zu können, wo neue Elektrobusse – sehr zum Ärger der Kunden – zu früh auf die Straße geschickt wurden.

„Gleich am Anfang Ärger zu erzeugen, würde dem Projekt und dem Thema Elektromobilität nicht gerecht werden“, sagte die SWS-Sprecherin, die überdies unterstrich, in einigen Monaten sei auch die Haltestelle Abteiweg fertiggestellt.