Private Toiletten werden in Solingen öffentlich

Kampagne: Private Toiletten werden öffentlich

Inkontinenz kann zur sozialen Isolation führen. Darauf machen der Behinderten- und der Seniorenbeirat schon lange aufmerksam. Jetzt starten beide Bürgervertretungen zusammen mit dem Rathaus die Kampagne „Mensch, ich muss mal“.

Das Ziel der Kampagne: Rund 30 Geschäftsleute und Gastronomen sollen in der Innenstadt mit einem Aufkleber an der Türe zeigen, dass sie ihre eigentlich privaten Toiletten auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Zugleich macht der Aufkleber deutlich, ob die Toilette barrierefrei zu erreichen ist oder nicht. Und auch ein Kostenhinweis von 50 Cent soll Geschäftsleute zum Aufhängen der Aufkleber animieren. Sie sollen wie die Gastronomen nicht auf den Kosten für den WC-Betrieb hängenbleiben.

Seit 1996 sei sie nun Vorsitzende des Behindertenbeirats, erklärte Julia Lippschitz vor dem Rathaus. Das Thema fehlende Toiletten ziehe sich wie ein roter Faden durch die Debatten in dem Gremium. Daher war sie ziemlich froh, dass Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) den ersten Aufkleber am Solinger Rathaus persönlich anbrachte. Auch Herbert Gerbig, seit 2004 Vorsitzender des Seniorenbeirats, berichtete, dass das Thema viele Sitzungen bestimme.

Sicher dürfe man über den Slogan „Mensch, ich muss mal“ schmunzeln, räumte OB Tim Kurzbach ein. Aber dahinter verberge sich ein ernster Hintergrund.

Denn: Sehr viele Senioren würden ihre Wege in der Innenstadt so planen, wie die Toiletten leicht erreichbar seien. Dafür fehle leider vielen Menschen noch völlig das Verständnis. Und das Ziel der Kampagne, private Toiletten zeitweise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, helfe etwa auch Familien mit kleinen Kindern.

Mit dem Start der Aktion ist auch verbunden, dass der Seniorenbeirat jetzt bewusst Gastronomen und Geschäftsleute in der Solinger Innenstadt anschreiben werde.

Ruth Hein erklärte derweil, man wolle um das Mitmachen werben und werde die Geschäfte dafür auch persönlich aufsuchen. Klar ist, dass Toiletten im Abstand von 300 Metern gelegen der Optimalfall sind, wie die Stadt dazu erläuterte.

Zur Umsetzung der großen Aktion seit Januar 2018 gehöre auch, dass man jetzt die Aufkleber mit dem Motto der Kampagne verteilen könne.

Wer sich freiwillig daran beteiligen will, kann im Rathaus im Seniorenbüro nach vorheriger Anmeldung unter Telefon 2 90 52 82 Aufkleber abholen. In der Folge will der Seniorenbeirat auch eine Liste mit den Akteuren veröffentlichen, die sich an „Mensch, ich muss mal“ beteiligen.