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Solingen: Polizeieinsatz endet mit Schlägen

Solingen : Polizeieinsatz endet mit Schlägen

Eine fröhliche Geburtstagsparty führte zu einem Großeinsatz der Polizei. Dennis Siering war unter den Gästen. Er spricht von einer völlig überzogenen Reaktion der Beamten und will Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen.

Dennis Siering ist die Aufregung auch zwei Tage später noch anzumerken, wenn er von Samstagabend spricht, als er sich auf einer Geburtstagsparty einem massivem Polizeiaufgebot gegenübersah. Im Laufe des Abends wurde der 29-Jährige nach eigenen Angaben geschlagen und zu Boden geworfen, seine Hand schmerzt immer noch.

Angefangen hatte am Samstag vor Mitternacht alles mit einem Routineeinsatz der Polizei, nachdem sich Nachbarn des Gastgebers aus einem Mehrfamilienhaus an der Gasstraße über Lärm beschwert hatten. Zwei Polizeibeamte kamen, ermahnten zur Ruhe und fuhren wieder. Das war kurz vor Mitternacht. Eine Stunde später — es war immer noch zu laut — stand die Polizei erneut vor der Tür, dieses Mal mit Verstärkung. "Die Beamten klingelten und standen kurz darauf mitten in der Wohnung", erzählt Dennis Siering. Auf die Bitte, die Wohnung zu verlassen und die Sache im Hausflur zu klären, habe man nicht reagiert. "Von Anfang an hatten wir den Eindruck, dass die Beamten die Feier auflösen wollten", sagt der 29-jährige Student, der zu den insgesamt acht Partygästen gehörte. Als er sich dann eingemischt habe, nachdem die Beamten zwei Frauen in Handschellen abführten, um sie ins Gewahrsam zu bringen, habe er Schläge mit einem Gummiknüppel auf die Hand bekommen und sei zu Boden geworfen worden.

"Es wurde mit Gummiknüppeln auf uns wie auf Hunde geschlagen, die Mädchen waren zuvor auf übelste Weise gepackt und geschubst worden", sagt Dennis Siering und betont, dass alle Partygäste den Konflikt freundlich lösen wollten. "Wir sagten der Polizei, wir würden die Musik ausschalten, wollten aber die Wohnung nicht verlassen. Wir erklärten, dass wir alle bei unserem Gastgeber übernachten würden." — "Einer der Beamten hat gesagt, gleich klatscht es hier, aber keinen Beifall", sagt Dennis Siering, der sich mit seinen Freunden überlegt, Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Polizeibeamten einzulegen, die zuletzt mit sechs Einsatzfahrzeugen vor Ort waren. Dass die Feier in der Nacht zu Sonntag ein großes Polizeiaufgebot auf den Plan rief, bestätigt Polizeisprecherin Claudia Otto, die sich jedoch zu Einzelheiten des Einsatzes nicht äußern kann. Ihre Kollegen seien bei der Party auf "erhitzte Gemüter und uneinsichtige Gäste getroffen", so Claudia Otto gestern. Dann folgten "Platzverweise", wie es im Polizeijargon heißt, dem die Gäste nicht nachgekommen seien. "Wenn dem nicht gefolgt wird, können die Beamten aktiv oder körperlich eingreifen", sagt die Polizeisprecherin, wobei körperlich auch den Gebrauch des "Einsatzmehrzweckstocks" beinhalte. "Das muss jeder Polizist vor Ort entscheiden, welche Mittel zum Einsatz kommen", so Claudia Otto. Die Polizei sei aber auch gehalten, "mit den mildesten Mitteln" die Situation zu entschärfen.

Dennis Siering und seine Freunde sind nicht der Ansicht, dass die Mittel der Polizei milde waren. "Klar waren wir zu laut, doch wir waren auch immer bemüht, alles friedlich zu regeln", sagt der Student.

(RP/jco)