Solingen: Polizei verstärkt Kampf gegen Einbrecher

Solingen : Polizei verstärkt Kampf gegen Einbrecher

Aktion "Einbruchsschutz" – Beamte gingen gestern in Gräfrath von Haus zu Haus und klärten über Sicherheitslücken auf.

Aktion "Einbruchsschutz" — Beamte gingen gestern in Gräfrath von Haus zu Haus und klärten über Sicherheitslücken auf.

Die Statistik ist erschreckend. Zwar liegen noch keine offiziellen Daten vor. Aber nach Informationen unserer Zeitung machen Einbrecher in Solingen weiter besonders leicht Beute. So ging die Zahl der aufgeklärten Taten in der Klingenstadt in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres weiter nach unten. Wurden zwischen Januar und Oktober 2012 noch 10,8 Prozent aller Wohnungseinbrüche geklärt, so sank diese Quote inzwischen auf 9,9 Prozent.

Zuletzt waren in Solingen gerade solche Gegenden verstärkt betroffen, die nahe an Autobahnen liegen. Deshalb startete die Polizei gestern die landesweite Kampagne "Einbruchsschutz" mit Bedacht an der Ketzberger Straße in Gräfrath. Rund 30 Beamte gingen am Nachmittag in der ruhigen Wohngegend, nur etwa drei Kilometer von der A 46 entfernt, von Tür zu Tür und wiesen die Anwohner auf Schlupflöcher für Einbrecher hin.

Dieses sprichwörtliche Klinkenputzen war aber lediglich der Anfang. Noch bis einschließlich Sonntag bietet die Polizei im Rahmen der zusammen mit dem Landeskriminalamt konzipierten Aktionswoche kostenfreie Beratungen an. So sollen Bürger erfahren, wie sie ihre Wohnungen sowie Häuser besser gegen ungebetene Gäste absichern können (siehe Kasten). Und auch die "Hausbesuche" der Beamten werden fortgesetzt. "Wir werden mit der Kampagne demnächst in anderen Stadtteilen weitermachen", sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstag.

Beratungsbedarf besteht auf jeden Fall. Auf Kipp stehende Terrassentüren, heruntergelassene Jalousien, die zeigen, dass niemand zu Hause ist, sowie Mülltonnen unter Fenstern, die für Diebe Einstiegshilfen sind: Die gestern eingesetzten Polizisten, darunter auch die beiden Gräfrather Bezirksbeamten Josef Koch und Hans-Joachim Keil, mussten bei ihrem Rundgang an der Ketzberger Straße nicht lange suchen, um gleich reihenweise "Einladungen" an Kriminelle zu entdecken.

Bei Gabriela Michalla war hingegen alles in Ordnung. Die Solingerin hat ihre Fenster und Türen mit zusätzlichen Schlössern gesichert. Und darüber hinaus passen sie und ihre Nachbarn aufeinander auf. "Wir achten darauf, was nebenan geschieht", sagte Michalla, nachdem die Bezirksbeamten Koch und Keil bei ihr geklingelt hatten.

In den Augen der Polizei ist dies ein entscheidender Aspekt, um Einbrecher abzuschrecken. So sei es beispielsweise sinnvoll, den Nachbarn vor Urlaubsreisen die Wohnungsschlüssel zu geben, betonten Josef Koch und Hans-Joachim Keil. Denn dann könnten die Nachbarn Rollläden auf- und zuziehen sowie Briefkästen leeren, um so einen bewohnten Eindruck zu erwecken.

Wie wichtig eine funktionierende Nachbarschaft sein kann, erfuhren die beiden Bezirkspolizisten erst vor kurzem aufs Neue. Als die Beamten nach einem Einbruch zu einem Opfer fuhren, um den Betroffenen auch psychologisch zu unterstützen, meldete sich plötzlich eine Frau bei den Polizisten, die ein paar Straßen weiter wohnt. Der Dame war kurz vor der Tat in dem Viertel im Solinger Norden ein Auto mit fremdem Kennzeichen aufgefallen, das sie zuvor noch nie in der Gegend gesehen hatte.

Zurzeit laufen die Ermittlungen in dem Fall noch. Sollte sich der Hinweis als stichhaltig erweisen, wäre dies ein Glücksfall für Polizei wie Opfer. Denn zum einen fällt es den Beamten sehr schwer, die Taten reisender Täter aufzuklären, da diese nach den Einbrüchen schnell verschwinden und kaum Spuren hinterlassen. Und zum anderen wären die Opfer, die nach den Taten oft traumatisiert sind, wenigstens ein bisschen beruhigt.

(RP)
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