Solingen: Polizei schleppt 170.000 Überstunden mit

Solingen : Polizei schleppt 170.000 Überstunden mit

Die Arbeitsbelastung von Polizeibeamten - gerade im Bergischen - steigt weiter. Vorgesetzte und Gewerkschafter schlagen Alarm. Lösungen, die kurzfristig bei dem Problem für Abhilfe sorgen könnten, sind aber nicht in Sicht.

Fußballspiele, die bis in die unteren Ligen hinein Polizeischutz brauchen, Betrunkene, die den Beamten vor allem an Wochenenden das Leben schwer machen, sowie immer wieder ein kaum mehr zu überblickender Wust an Schreibarbeit - NRW-Polizisten schieben einen regelrechten Berg von Überstunden vor sich her. Und auch im Bergischen Land stöhnen die Beamten unter der Mehrarbeit. So hat jeder der 1700 Polizisten im unter anderem für Solingen zuständigen Polizeipräsidium Wuppertal im Schnitt mittlerweile rund 100 Überstunden angesammelt.

Das geht aus einer polizeiinternen Erhebung hervor, die Ende des vergangenen Jahres erstellt wurde. Wobei die Beamten im bergischen Städtedreieck mit ihren in der Summe rund 170.000 Überstunden sogar besonders von der Problematik betroffen sind. Denn nach Informationen unserer Redaktion liegen die Belastungen im Bereich der hiesigen Polizeibehörde im NRW-weiten Vergleich selbst noch über den ohnehin bereits prall gefüllten Überstundenkonten auf der Landesebene.

Tatsächlich ergab eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion an die CDU/FDP-Landesregierung in der zurückliegenden Woche, dass in ganz NRW zum Stichtag 31. Dezember 2016 rund 3,6 Millionen Überstunden bei den Polizisten in NRW angefallen waren - was einer Pro-Kopf-Belastung von 90 Stunden entspricht.

Ein Zustand, der bei den Verantwortlichen - auch in der bergischen Region - zunehmend Kopfbereiten verursacht. So hatte der neue Polizeipräsident Markus Röhrl erst vor wenigen Tagen eine spürbare Entlastung seiner Beamten angemahnt. Beispielsweise, so Röhrl während seiner Vorstellung in Wuppertal, kämen insbesondere die Kollegen in den extrem geforderten Hundertschaften "kaum noch aus den Stiefeln heraus".

Das sieht die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) ähnlich. Nun räche sich, dass alle Landesregierungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte bei der Polizei "auf Teufel komm raus gespart haben", sagte gestern der Kreisvorsitzende der DPolG im Bergischen Land, Michael Wenz, auf Anfrage - und nannte bei dieser Gelegenheit gleich einige Bereiche innerhalb der alltäglichen Arbeit der Beamten, in denen der politische Rotstift besonders fatale Folgen zeitigt.

"Früher war es zum Beispiel lediglich bei Spielen der Fußball-Bundesliga üblich, Polizisten einzusetzen", erinnerte Wenz. Doch diese Zeiten seien lange vorbei. Auch Partien auf Kreisebene, wie etwa vor kurzem in Solingen beim Derby Union gegen OFC, bänden mittlerweile Kräfte, betonte der Gewerkschafter, der parallel unterstrich, der Bürger habe ein Anrecht, dass das Umfeld von Veranstaltungen gesichert werde.

Darüber hinaus existieren aus Sicht der Polizeigewerkschaft aber durchaus andere Bereiche, in denen konkret etwas unternommen werden könnte, um die Polizisten zu entlasten. So liefen viele Überstunden bei normalen Streifenbeamten dadurch auf, weil diese nach ihrem eigentlichen Dienstschluss noch gezwungen seien, Anzeigen zu schreiben.

Eine Arbeit, die in den 80er Jahren von Schreibkräften übernommen wurde, ehe diese dann ersatzlos in Rente geschickt wurden. Ein Fehler, wie heute Vielen in der Politik bewusst ist. Deshalb sollen fortan jährlich in NRW 500 Angestellte eingestellt werden, die eher technische Aufgaben übernehmen. Was indes nichts daran ändert, dass im eigentlichen Polizeidienst ebenfalls Leute fehlen - wobei die Neuzugänge selbst in einigen Jahren nur jene Kollegen auffangen dürften, die dann pensioniert werden.

(or)
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