Solingen: Politik stellt Umbau Mühlenplatz infrage

Solingen : Politik stellt Umbau Mühlenplatz infrage

Etliche Politiker sind mit den Plänen des Investors zur Revitalisierung der Clemens-Galerien unzufrieden. Sie monieren zu viele Billiganbieter und denken darüber nach, die Neugestaltung des Mühlenplatzes zunächst auf Eis zu legen.

Die Enttäuschung war mit Händen zu greifen. Einen Tag, nachdem Investor Jochen Stahl dem Planungsausschuss sowie den Mitgliedern der Bezirksvertretung (BV) Mitte seine neuen Pläne für eine Wiederbelebung der Clemens-Galerien in der City vorgestellt hatte, herrschte in weiten Teilen der Solinger Politik vor allem ein Gefühl vor: Ratlosigkeit.

Denn die Ankündigung des Geschäftsmannes aus Frankfurt/Main, hauptsächlich Geschäfte aus dem eher unteren Preissegment in dem großteils leerstehenden Center ansiedeln zu wollen, entsprach keineswegs den Erwartungen, die viele im Vorfeld gehabt hatten - so dass es nun ernsthafte Überlegungen gibt, eine zentrale Investition im Bereich der Clemens-Galerien bis auf Weiteres auf Eis zu legen. So schlugen sowohl der Vorsitzende des Planungsausschusses, Bernd Krebs (CDU), als auch Martina Zsack-Möllmann von den Grünen gestern vor, das Vorhaben zum Umbau des Mühlenplatzes vor dem Einkaufszentrum zunächst einmal ruhen zu lassen.

"Es macht keinen Sinn, den Platz neu zu gestalten, wenn in den Clemens-Galerien selbst am Ende fast nur Billiganbieter ansässig sein werden", sagte Zsack-Möllmman, die sich durch den Auftritt Stahls in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt sieht. So sei es dem Investor bislang nämlich nicht gelungen, ein Konzept zu entwickeln, dass die Solinger Stadtmitte voranbringe, betonte die Grünen-Politikern am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eine Einschätzung, die sie mit Bernd Krebs teilt. Die Präsentation Jochen Stahls vor dem Ausschuss und der BV habe auf ihn eher den Eindruck einer "Beruhigungstablette" für die Politik gemacht, unterstrich der CDU-Mann, der anmahnte, es dürfe bei der weiteren Entwicklung keinerlei Denkverbote geben.

Tatsächlich war die Idee zur Aufwertung des Platzes vor den Galerien im Zuge der Planungen für ein neues innerstädtisches Outlet-Center in der Mall aufgekommen. Rund 600.000 Euro sollten in die Maßnahme gesteckt werden, wobei die Kosten dafür vom Land sowie dem damaligen Investor getragen worden wären. Später waren entsprechende Überlegungen dann aber zunächst zurückgestellt worden, da sich die Outlet-Pläne als nicht realisierbar erwiesen.

Ein anderer City-Problemfall: Das Bachtorcenter darbt seit Jahren. Würden Marken wie "Tedi" und "Kik" in die Galerien wechseln, würde es an der unteren Hauptstraße noch leerer. Foto: mak

Stattdessen bemühen sich seit Anfang dieses Jahres Jochen Stahl und seine Immobilien Solingen Projektgesellschaft, das Center zu revitalisieren. Unter anderem ist vorgesehen, das Kino Lumen zu erweitern und zusätzliche gastronomische Betriebe (etwa ein Brauhaus) sowie eben Billiganbieter am oberen Ende der Fußgängerzone zu etablieren.

In diesem Zusammenhang hatte Stahl am Montag vor Ausschuss und BV den Einzug der Ketten "Tedi" und "Kik" in Aussicht gestellt, die beide augenblicklich Filialen im Bachtorcenter betreiben. Allerdings will "Kik" ein zukünftiges Engagement in den Galerien einstweilen nicht bestätigen. "Wir verhandeln. Es ist noch nicht entschieden, ob wir unseren jetzigen Standort verlassen", sagte eine Firmen-Sprecherin gestern.

Ohnehin wird ein Wegzug der Billiganbieter aus dem Bachtorcenter kritisch gesehen. Wenn die besagten Läden sowie andere Geschäfte ebenfalls in die Clemens-Galerien gingen, sei dies der "Tod der unteren Hauptstraße", hatte etwa BfS-Politiker Jan Salewski bei der Sitzung von Ausschuss und BV am Montag moniert.

Gleichwohl ist vielen in der Politik auch klar, dass sich Investor Jochen Stahl mit der Wiederbelebung der Galerien eine Herkules-Aufgabe aufgebürdet hat. Aus diesem Grund dürften keine überzogenen Erwartungen an den späteren Branchenmix gestellt werden, heißt es beispielsweise.

Ein Argument, das Martina Zsack-Möllmann und Bernd Krebs sehr wohl gelten lassen. So könnten bauliche Veränderungen unter Einbeziehung des benachbarten P&C-Gebäudes durchaus in die richtige Richtung weisen, betonten beide. Indes wollen die Politiker nun zunächst einmal Taten sehen, die bald folgen müssten. Bernd Krebs: "Die Ankündigung, bis Ende des Jahres 80 Prozent in den Galerien vermietet zu haben, steht."

(or)