Solingen: Pendler standen im Regen

Solingen : Pendler standen im Regen

Nichts ging mehr bei der Deutschen Bahn. In ganz Deutschland, und auch in Solingen, standen gestern ab circa 17 Uhr alle Räder still – und die Pendler im Regen.

Nichts ging mehr bei der Deutschen Bahn. In ganz Deutschland, und auch in Solingen, standen gestern ab circa 17 Uhr alle Räder still — und die Pendler im Regen.

Weder Züge des Fernverkehrs, noch Regional- und S-Bahnen verkehrten. "Dabei handelte es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme", erklärte ein Sprecher des Bahn-Regionalbüros NRW auf Anfrage unserer Zeitung. Von größeren Schäden auf den Gleisen im Stadtgebiet wusste er nichts. Wie jedoch die Berufspendler nach Hause kommen sollten, vermochte die Bahn nicht zu beantworten. "Wir kümmern uns schwerpunktmäßig um den Fernverkehr", hieß es lapidar. Reisende im Nahverkehr hätten sicher andere Möglichkeiten, ihr Ziel zu erreichen. Über den Einsatz von Ersatzbussen war der Bahn bis gestern Abend auch nichts bekannt. Da Straßen teilweise gesperrt seien, mache Busverkehr keinen Sinn, sagte der Bahnsprecher. In Solingen fuhren aber die meisten Busse.

Auch mit Stress — den die Bahnsprecher wegen des Sturms sicherlich hatten — sind diese Aussagen nicht zu rechtfertigen. Dieses lapidare: "Sollen doch die Pendler sehen, wie sie nach Hause kommen", ist aber an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten. "Die Bahn kommt" — diesen Slogan glauben die Solinger Pendler schon lange nicht mehr: Eine Fahrt mit der S 7 gerät immer mehr zum Glücksspiel: Ankommen ja, aber wann? Alte Züge, bei denen während der Fahrt die Türen aufgehen. Die Berufspendler — die nicht die eh schon vollen Autobahnen weiter verstopfen — sind Kunden Zweiter Klasse und bekommen das immer wieder aufs Brot geschmiert. Aber auch sie zahlen Geld dafür, die Leistungen der Bahn in Anspruch nehmen zu können — und das nicht zu knapp. Auch wenn die Bahn gestern für die Pendler tatsächlich nichts tun konnte: Der Ton macht die Musik.

(RP)