Solingen: Papierfalten mit ästhetischen Qualitäten

Solingen: Papierfalten mit ästhetischen Qualitäten

Zwei bis drei Ausstellungen in den Galerieräumen der Solinger Künstler im Südpark werden jährlich von Vereinsmitgliedern ausgerichtet. Die zweite in diesem Jahr ist die gebürtige Rumänin Duda Voivo, die ihre neuen Bilder präsentiert.

"Als ich meinen ersten eigenen Arbeitsplatz im Atelier einer befreundeten Künstlerin in Solingen hatte, entdeckte ich eines Tages ein zerknittertes Blatt Pergamentpapier am Boden. Das war die Initialzündung", erzählt Duda Voivo. Seitdem haben ihre Bilder Falten, Falten mit ästhetischen Qualitäten. Dies gilt auch für ihre "Neuen Bilder", wie die Ausstellung unspektalulär benannt ist. Die mittelformatigen Exponate sind thematisch offen. Auffallend sind jedoch die zahlreichen Landschafts- und Naturmotive. "Auch wenn die neuen Bilder gelegentlich abstrakter wirken, sie haben immer einen realen Kern," erläutert die Malerin. "Oftmals inspiriert mich ein Haiku zu einer Bildidee." Die knappe, konzentrierte, einfache poetische Form des japanischen Haiku-Gedichtes, das sich immer auf Natur- und Alltagsereignisse bezieht, setzt Voivo in Malerei um.

Sie experimentiert mit verschiedenen Untergründen, Leinwand, Holz, Pappe oder Papier, die sie teilweise zum Zwecke der Präsentation auch miteinander kombiniert. Die Bildflächen bemalt sie mit Acryl- und Ölfarben und ergänzt die Malerei partiell oder vollflächig mit Faltungen aus bemaltem Pergament. Die Textur der gemalten Flächen steht im Kontrast zu den halbtransparenten reliefartigen Papieren, die den Bildern mal Leichtigkeit, mal eine formale Strukturierung geben. Die Falten sind teils kontrolliert, teils entwickeln sie ein Eigenleben, von dem sich die Künstlerin im Arbeitsprozess leiten lässt. "Sie helfen mir, mich vom Motiv zu entfernen und das Wesentliche zu zeigen."

Die Farbgebung der gezeigten Bilder, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist bestimmt von einem matten, valeurreichen Kolorit. Es sind vornehmlich Erdtöne, die an Natur im Allgemeinen erinnern. Eins der wenigen bläulichen Bilder "In der Tür" zeigt eine angedeutete Figur in der Türöffnung im Gegenlicht. Die Partien daneben sind mit Faltungen versehen, die Assoziationen zu Stoffen, Überwürfen oder einem Sofa im Innenraum erzeugen. Diese Konkretisierung hebt die Malerin in einem zweiten Schritt durch gemalte und aufgesetzte Strukturen, die wie ein Gitter über der Szene liegen, wieder auf. So oszillieren die Bildmotive zwischen erkennbaren Motivansätzen und Abstraktion, zwischen fließenden Formen und strengen Ordnungen. Sie bieten dem Betrachter vielfältige Deutungsmöglichkeiten, was der Offenheit der traditionellen japanischen Gedichtform entspricht.

(RP)