Solingen: OWB: Ex-Chef erneut gefeuert

Solingen : OWB: Ex-Chef erneut gefeuert

Im September beginnt das Insolvenzverfahren bei der Ohligser Wohnungsbau Genossenschaft. Man hofft, Ex-Chef Schürmann loszuwerden, die Mitarbeiter sollen bleiben. Derweil verweigern viele Mieter höhere Heizkosten.

Die Tage von Wolfgang Schürmann bei der Ohligser Wohnungsbau Genossenschaft (OWB) sind — wieder mal — gezählt. "Am 1. September wird das Insolvenzverfahren eröffnet", sagte gestern Dr. Mike Westkamp von der mit dem Verfahren betrauten Anwaltskanzlei. Dann soll ein Sonderkündigungsrecht greifen, durch das man den ehemaligen Geschäftsführer Schürmann endgültig loswerden will.

Schulden drücken weiter

Gleichwohl, damit wäre die Kuh bei der OWB noch nicht vom Eis. Denn erstens hätte Schürmann die Möglichkeit, sich gegen den Laufpass — einmal mehr — zur Wehr zu setzen. Und zweitens drücken die Genossenschaft Schulden in Höhe von mehr als 37 Millionen Euro, gegen die Schürmanns Ansprüche über 299 000 Euro für Gehälter bis 2006 samt Zinsen und Anwaltskosten sowie 140 000 Euro Bruttolohn jährlich bis zur Rente 2014 geradezu bescheiden anmuten. Ein Problem, das keiner besser kennt als Mike Westkamp, dem es darum geht, die OWB vor der endgültigen Pleite zu bewahren. "Ziel ist es, dass es weiter geht", stellt Westkamp klar, der darum froh ist, wenigstens den fünf OWB-Angestellten über den 1. September hinaus die Jobs erhalten zu können.

Dauerhaft sind die Arbeitsplätze aber nur sicher, wenn es gelingt, mit den Gläubigern eine Einigung zu erzielen. Was wiederum nicht ganz einfach erscheint, haben die Geldgeber doch sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie in Zukunft zu verfahren sei. Denn während zum Beispiel, wie zu hören war, die Sparkasse Solingen, bei der die Ohligser mit rund 15 Millionen in der Kreide stehen, einstweilen stillhält, zeigen andere Gläubiger weit weniger Geduld. So wurde ein Teil der 967 OWB-Wohnungen im Juli unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Eurohypo AG, die noch 19 Millionen Euro zu bekommen hat, schaltete eine Firma ein, die fortan eine Reihe von Häusern verwalten sollte. Auch wenn die Maßnahme wieder außer Kraft gesetzt sowie ein Gläubigerausschuss gebildet wurde, sorgte all das unter den Mietern nicht eben für Vertrauen.

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Nun hat die Zahlungsunfähigkeit zwar noch keine direkten Auswirkungen. "Bei uns merkt man nichts", berichtet Dr. Timo Cullmann, der an der Kamper Straße in dem Gebäude lebt, in dem auch Wolfgang Schürmann bis heute seine Dienstwohnung hat. Und Gerlinde Rothlübbers vom Mieterbund Rheinisch-Bergisches Land betont ebenfalls, dass es bisher keine Beschwerden gab.

Trotzdem ist nicht alles eitel Sonnenschein. Nachdem die OWB 2007 fast 90 Prozent ihrer Heizungen für zehn Jahre an den Versorger MVV verkaufte, stiegen die Heizkosten einiger Mieter stark an. Gerlinde Rothlübbers vermutet dahinter bis heute den Versuch, auf Kosten der Mieter an Geld zu kommen.

Aber obwohl viele Betroffene die Zahlungen nicht leisteten und nach Schätzung des Mieterbundes so ein sechsstelliger Betrag aufgelaufen sein dürfte, strengte die OWB keine Verfahren an. "Dabei hätten wir das gern rechtlich geklärt", sagte Rothlübbers gestern. Für sie ist die die ganze Sache ein "nicht erlaubter Nachschuss" der Genossenschaftsmitglieder.

(RP)