Ostergottesdienste in Solingen Das Fest zwischen Pandemie und Krieg

Solingen · Die weltpolitische Lage wird auch bei den Heiligen Messen zwischen Karfreitag und Ostermontag ein Thema sein. In puncto Corona setzen die Gemeinden auch nach dem Wegfall der offiziellen Maßnahmen weiterhin auf Vorsicht.

 In der Kirche St. Joseph in Ohligs wird der ukrainisch-stämmige Krankenhausseelsorger Michael Fetko (Foto / l.) am Ostermontag gemeinsam mit Pfarrer Meinrad Funke eine Messe mit ukrainisch-katholischen Einflüssen feiern.

In der Kirche St. Joseph in Ohligs wird der ukrainisch-stämmige Krankenhausseelsorger Michael Fetko (Foto / l.) am Ostermontag gemeinsam mit Pfarrer Meinrad Funke eine Messe mit ukrainisch-katholischen Einflüssen feiern.

Foto: Meuter, Peter (pm)

Braucht die zeitlose Botschaft des Osterfestes von der Überwindung der Finsternis und des Todes aktuelle Bezüge? „Natürlich kann ich nur für mich sprechen“, betont Pfarrer Michael Mohr, Stadtdechant der Katholischen Kirche in Solingen, und stellt klar: „Selbstverständlich wird die aktuelle Situation ein Predigt-Thema sein.“ Das gelte umso mehr insofern, als inzwischen viele Geflüchtete aus der Ukraine in Solingen angekommen seien.

So wird der aus der Ukraine stammende Krankenhaus-Seelsorger Michael Fetko am Ostermontag in St. Joseph an der Seite von Pfarrer Meinrad Funke eine Messe feiern, in die Texte, Gesänge und Bräuche aus der ukrainisch-katholischen Osterliturgie einfließen. Gerade zum Osterfest biete es sich an, durch „alles Dunkel, Leid und Tod hindurch eine Perspektive aufzuzeigen“, betont Mohr: Und dazu gehöre natürlich auch der Einsatz für den Frieden.

So sieht es auch Pfarrer Jo Römelt von der evangelischen Kirche Dorp: „Es führt kein Weg daran vorbei, die Themen Krieg und Flucht aufzugreifen und an die Not der Menschen in der Ukraine, aber auch im Ländern wie dem Jemen, in Mali, Syrien oder Afghanistan zu erinnern.“ Zwar setzten auch viele Christen heutzutage ihre Hoffnung mehr auf eine Form von Erlösung und Befreiung im Diesseits als in das ewige Leben. Dennoch sei die Botschaft „die Not wird nicht das Letzte sein“ sehr präsent.

Dass auch unregelmäßige Kirchbesucher zu den Feiertagen ein starkes Bedürfnis haben, die Gottesdienste zu besuchen, ist bekanntlich kein neues Phänomen. Da passt es gut, dass wieder mehr Besucher auf den Bänken Platz nehmen können. So wird es auch in den Kirchen des katholischen Sendungsraums St. Clemens / St. Johannes der Täufer ab Gründonnerstag sein. „Man kann grob sagen, dass wir 25 bis 50 Prozent mehr Plätze besetzen können“, sagt Pfarrer Mohr. Weiterhin brauchen Teilnehmer der Vorabend- und Sonntagsmessen eine Anmeldung. Die ist für die Gottesdienste an Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternächte bereits freigeschaltet. Das Triduum vom letzten Tage Jesu über sein Leiden am Kreuz bis zur Auferstehung wird dabei in St. Clemens, St. Suitbertus und St. Josef gefeiert.

Für die Heiligen Messen am Ostersonntag und Ostermontag beginnt die Anmeldung am Dienstag. Dabei gehe es aber nicht um Kontaktrückverfolgung, betont Mohr: Vielmehr wolle man damit vermeiden, dass einzelne Besucher schließlich vor dem Portal der vollbesetzten Kirchen kehrt machen müssten. Regelungen wie 2G oder 3G gelten nicht.

Nachdem viele Auflagen, die sich auf das Feiern der Gottesdienste ausgewirkt hatten, weggefallen sind, hat das Erzbistum Köln viele Maßnahmen auf den Charakter von Empfehlungen reduziert – darunter auch die Maskenpflicht. Die jedoch können die Pfarrgemeinden im Sinne des Hausrechts nach wie vor aufrechterhalten. Und das tun die Solinger auch. Es gelte schließlich weiterhin, die Besucher vor der besonders ansteckenden Omikron-Variante zu schützen, sagt Mohr: „Und es ist uns wichtig, auch wieder singen zu können und keine stummen Ostern zu feiern.“

Kaplan Michael Fetko wirbt um Spenden für sein Heimatbistum in der Westukraine. Dort kommen täglich Binnenflüchtlinge aus den Kriegsgebieten an.

Kaplan Michael Fetko wirbt um Spenden für sein Heimatbistum in der Westukraine. Dort kommen täglich Binnenflüchtlinge aus den Kriegsgebieten an.

Foto: Fetko

Vorsicht walten lässt man auch beim evangelischen Kirchenkreis: Nachdem die Landeskirche die Rahmenrichtlinien für die Gottesdienste aufgehoben hat, liegt die Entscheidung über die Schutzmaßnahmen hier in den Händen der Presbyterien. Und auch die setzen in der Klingenstadt auf Vorsicht. Neben der Maskenpflicht gilt fast überall 3G. Dafür haben die Gottesdienstbesucher, die in den Vorjahren auf Online-Angebote zurückgreifen mussten, für die Oster-Gottesdienste viele Freiheiten wieder zurück.

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