Orkan "Friederike" richtet große Schäden in Solingen an

Solingen : "Friederike" richtet große Schäden an

Das Sturmtief, das gestern über NRW gezogen ist, hat die Rettungskräfte auch in Solingen bis zum Abend in Atem gehalten. Es gab fast 150 Einsätze, Bäume knickten um, Straßen wurden gesperrt. Verletzt wurde aber niemand.

Umgestürzte Bäume, Sonnschirme, die wie Geschosse umherflogen, ausgefallene Züge und Busse, die nicht weiter fahren konnten - Sturmtief "Friederike" hat am Donnerstag auch Solingen mit voller Wucht erwischt. In der Leitstelle der Feuerwehr standen die Telefone nicht still. Bis zum Nachmittag mussten die Kräfte zu 147 Einsätzen ausrücken - wobei die Klingenstadt am Ende vom Schlimmsten verschont blieb. Denn trotz teils orkanartiger Böen kamen gestern keine Menschen zu Schaden. Im Vorfeld war "Friederike" sogar mit dem Sturm "Kyrill" verglichen worden, der auf den Tag genau vor elf Jahren gewütet hatte.

Die ersten heftigen Windstöße waren am Morgen gegen 9 Uhr über das Stadtgebiet gefegt, so dass sich die Schulverwaltung vorsorglich dazu entschloss, Eltern ausnahmsweise freizustellen, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken. Gleichwohl hatte zu diesem Zeitpunkt der Unterricht längst begonnen, weswegen später noch eine zweite Anweisung erging, die Schüler nach der letzten Stunde auf keinen Fall allein nach Hause gehen zu lassen.

Dabei wären viele Mädchen und Jungen aber ohnehin nicht weit gekommen. Inzwischen hatte "Friederike" nämlich "ganze Arbeit" geleistet. So stellten die Stadtwerke Solingen am späten Vormittag beispielsweise den Verkehr auf sämtlichen Obus-Linien ein, nachdem der Sturm zuvor etliche Oberleitungen beschädigt hatte. Und auch auf vielen Straßen ging kaum noch etwas, versperrten doch umgeknickte Bäume - etwa auf der Platzhofstraße oder der Löhdorfer Straße - den Autofahrern den Weg.

Richtig schlimm hatte es derweil einen Hausbesitzer an der Kottendorfer Straße in Ohligs erwischt. Ein großer Baum war von dem Sturm entwurzelt worden und auf das Gebäude des Mannes gestützt. "Es gab einen richtig lauten Knall", schilderte der Hauseigentümer im Anschluss die Schrecksekunden, während sich einige hundert Meter entfernt viele Bahnkunden ebenfalls fragten, wie es weitergehen könnte. Der Grund: Die Deutsche Bahn AG hatte am späten Vormittag den gesamten Zugverkehr auf ihren Gleisen in NRW eingestellt - was wiederum zur Folge hatte, dass auch am Solinger Hauptbahnhof zahlreiche Reisende zwischenzeitlich strandeten.

In der Stadt selbst befanden sich Feuerwehr und Polizei im Dauerstress. "Die eingehenden Alarmmeldungen werden hintereinander erledigt", berichtete ein Polizeisprecher, dessen Kollegen die Feuerwehrleute bei knapp 40 Einsätzen unterstützten. So zum Beispiel im Bereich der Viehbachtalstraße, die bis zum Abend in beiden Fahrtrichtungen gesperrt werden musste, da Bäume auf die Fahrbahn gefallen waren.

Gerade die Vielzahl der eingehenden Notrufe brachte die Helfer phasenweise an ihre Grenzen. Insgesamt war die Feuerwehr mit 150 Kräften sowie 30 Fahrzeugen im Einsatz. Und darüber hinaus kümmerten sich zwei Bergungstrupps des Technischen Hilfswerkes, 18 Mitarbeiter der Technischen Betriebe Solingen in sechs Kolonnen beziehungsweise der Stadtdienst Natur und Umwelt um die angefallenen Schäden.

In den Wäldern in und um Solingen herrschte Ausnahmezustand. So warnte das Regionalforstamt Bergisches Land eindringlich davor, die Forstgebiete zu betreten. Eine große Zahl von Bäumen sei schon durch den Orkan "Burglind" Anfang des Monats in arge Schieflage geraten. Und diese drohten nun endgültig umzukippen, weswegen auch in den kommenden Tagen unbedingt auf Waldspaziergänge verzichtet werden solle.

Geschlossen bleibt am heutigen Freitag der Vogel- und Tierpark am Rande der Ohligser Heide. Über die sozialen Medien im Internet starteten die Verantwortlichen zudem einen Aufruf an Freiwillige, bei der Beseitigung der Sturmschäden, etwa abgebrochene Äste und Bäume, mit anzupacken.

Diese Zeit hatten die professionellen Helfer gestern natürlich nicht. Etliche Straßen mussten mit Flatterband abgesperrt werden, wie zum Beispiel die Wittenbergstraße in Ohligs, auf die überdies der Schriftzug "Lebensgefahr" aufgetragen wurde. Bis zum späten Nachmittag waren 60 Einsätze abgearbeitet worden. Die Stadt Solingen bat wegen möglicher Wartezeiten um Verständnis bei den Bürgern. Die Feuerwehr arbeite nach Priorität, hieß es aus dem Rathaus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So wütete der Sturm in Solingen

(RP)
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