Olbo-Streit geht in die nächste Runde

Solingen : Olbo-Streit geht in die nächste Runde

Die Eigentümerin geht im Gespräch mit dem Geschäftsführer der "Plan 8 Group" nicht von einer schnellen Lösung mit der Stadt aus. Planungsdezernent Hartmut Hoferichter schätzt den Sachstand dagegen anders ein.

In der nicht enden wollenden Geschichte um die neue Bebauung des Olbo-Geländes in Ohligs bringt das nächste Kapitel widersprüchliche Aussagen. In einem Gespräch habe Dr. Jeannine Gräfin von Thun und Hohenstein Veit anklingen lassen, dass sie nicht davon ausgehe, dass in den nächsten zehn Jahren etwas auf dem Grundstück geschehen werde, berichtet Gerd Fischer, Geschäftsführer der "Plan 8 Group". Stadtdirektor und Planungsdezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) hingegen geht davon aus, "dass Anfang 2018 das Bebauungsplanverfahren für das O-Quartier fortgeführt wird, um möglichst bald den Abbruch der vorhandenen Gebäude und die Realisierung der Planung umzusetzen".

Die Grundstückseigentümerin, die Graf von Thun und Hohenstein Veit KG, sieht keinen Silberstreif am Horizont. Wohl aber Hoferichter: "Die Eigentümerin hatte im Sommer 2017 eine überarbeitete Planung mit einem bedeutenden Anteil an Wohnungen und reduzierter Einzelhandelsfläche vorgelegt - im Sinne der Zielsetzungen des neuen Bebauungsplanes. Dazu haben mit ihren Beauftragten Arbeitsgespräche stattgefunden, um Detailfragen zu konkretisieren und zu klären. Zuletzt wurde mit Planern, die in Abstimmung mit der Eigentümerin tätig sind, noch im Oktober über die veränderte Konzeption intensiverer Wohnnutzung gesprochen." Diese Gespräche scheinen nicht zu einem Durchbruch geführt zu haben.

Laut Fischer, dessen Firma einen Teil des Geländes bereits mit Wohnungen bebaut hat, sehe Gräfin von Thun und Hohenstein Veit kein Vorankommen in den Gesprächen mit der Stadt. Dort sollen auch schon Anfragen von Eigentümern der Wohnungen vorliegen, in denen sie auf eine schnelle Lösung für die Ruinenlandschaft drängen.

In den Verhandlungen geht es um den neuen, von der Stadt gefassten Bebauungsplan mit weniger Einzelhandel und mehr Wohnungen. Mit der Investorin will die Stadt klären, wie die Pläne umsetzbar sind. Ob die Graf von Thun und Hohenstein Veit KG das Projekt dann selbst umsetzen wird, ist nicht bekannt. Es gebe laut früheren Angaben der Stadt immer wieder auch Anfragen von anderen Interessenten.

Wie verfahren die Lage ist, zeigt der Umstand, dass die Gräfin zwischenzeitlich sogar eine Klage mit Schadenersatzforderung angekündigt hatte, die aber bisher nicht im Rathaus angekommen ist. Die Eigentümerin hatte sich im Sommer allerdings erstmals kooperationsbereit in Bezug auf den neuen Bebauungsplan gezeigt. Für eine Stellungnahme war die Gräfin gestern nicht zu erreichen.

Das frühere Olbo-Gelände zwischen Aachener Straße und Heiligenstock wartet seit Jahren darauf, dass die Bauarbeiten an einem Einkaufszentrum (O-Quartier) beginnen. Das Gelände hat die Investorin bereits 2007 erworben. Weil der Bedarf an Einzelhandelsfläche in den Innenstädten sinkt, ist der Bebauungsplan angepasst worden. Auf dem kleineren Teil des Grundstücks sind mehr als 80 Wohnungen entstanden. Bauherr war die "Plan 8 Group".

Unter den Wohnungseigentümern und Mietern des Olbo-Parks hat sich zunehmend Ärger und Frust breitgemacht. Bereits im August hatte sich Anwohnerin Gerda Gieseler beschwert: "Jetzt habe ich die sehr schöne Wohnung bezogen und muss täglich auf die Trümmer-Ruine der ehemaligen Olbo-Werke schauen. Uns Neu-Ohligsern will nicht einleuchten, dass die Stadt Solingen keinerlei rechtliche Möglichkeiten haben soll, die Gräfin von Thun und Hohenstein Veit dazu zu zwingen, wenigstens die Ruine abzureißen." Bereits beim Kauf der Wohnung 2014 sei ihr versprochen worden, dass dieser Abriss schnell erfolgen werde. Aber nichts sei bislang geschehen. "Es kann doch nicht im Sinne von Ohligs und ganz Solingen sein, diesen Schandfleck weiterhin tatenlos zu dulden", sagte die Anwohnerin.

(RP)
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