Solingen: Ohne Probleme zum Wodka

Solingen : Ohne Probleme zum Wodka

Die Testkäufe, die das Ordnungsamt gemeinsam mit einem Mitglied des Jugendstadtrates gestern durchführte, brachten ein trauriges Ergebnis: In sechs von neun Fällen erhielt der 17-Jährige den gewünschten Schnaps.

Ein voller Erfolg waren gestern Nachmittag die Testkäufe, die das Ordnungsamt gemeinsam mit einem Mitglied des Jugendstadtrates im Solinger Stadtgebiet unternommen hat. Der 17-Jährige hatte in neun Geschäften im Stadtgebiet — in Kiosken, Supermärkten, Trinkhallen und einer Tankstelle — versucht, Schnaps oder Wodka zu kaufen.

"In sechs Fällen ist es ihm gelungen", berichtete Stephan Trunk, Leiter des Stadtdienstes Ordnung, am Abend. In Hochstimmung versetzt ihn das Ergebnis jedoch nicht. Im Gegenteil: "Ich bin enttäuscht", sagt er. "Schließlich haben wir die Testkäufe sogar über die Medien angekündigt." Trotzdem habe dies die Verkäufer nicht zu korrektem Verhalten veranlasst. In einem Fall sei sogar ein Wiederholungstäter dabei gewesen.

Alle Verkäufer, die dem Jugendlichen den gewünschten Schnaps gaben, erhalten nun Bußgelder in Höhe von rund 200 Euro. "Gegebenenfalls werden wir uns auch noch an den jeweiligen Geschäftsinhaber wenden, denn der muss seine Mitarbeiter ja entsprechend schulen", erklärt Trunk. Den Verkäufer, der bereits zum zweiten Mal erwischt wurde, erwartet sogar ein Bußgeld von rund 500 Euro.

Die Reaktionen der Verkäufer, die auf ihr Fehlverhalten hingewiesen wurden, seien stets dieselben gewesen, erzählt Trunk. Von: "Der Junge sah älter aus", über: "Ich hatte auch schon meine Zweifel", bis hin zu: "Das ist mir jetzt das erste Mal passiert", sei alles dabei gewesen. "Das ist wie bei Autofahrern, die bei Rot über eine Ampel fahren und erwischt werden. Da würde ja auch keiner sagen: ,Das mache ich immer.'"

Die Geschäfte, die sich rechtmäßig verhielten, konnten sich dagegen über ein Lob vom Stadtdienst Ordnung freuen. "Denen haben wir gesagt: ,Gut gemacht. Weiter so!", berichtet Trunk.

Auch mit dem jungen Testkäufer ist er zufrieden. "Er hat seine Sache gut gemacht und hatte Spaß dabei, weil er die Testkäufe für sinnvoll erachtet." Genau wie der gesamte Jugendstadtrat, der deshalb aus seinen eigenen Reihen zehn Personen für diesen Einkaufsbummel der besonderen Art benannt hat.

Das junge Gremium unterstützt den Verzicht auf Hoch- und Niedrigprozentiges außerdem mit seiner alkoholfreien Party "One Night Reloaded". Nächster Termin ist im Februar. "Es ist nicht cool, jeden Tag Alkohol zu trinken", sagen die Mitglieder des Jugendstadtrates.

Dass minderjährige Testkäufer überhaupt eingesetzt werden dürfen, dafür haben die Innenminister der Länder im Frühjahr den Weg frei gemacht. Die frühere Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte die Testkäufe bereits im Jahr 2007 gesetzlich regeln wollen, war jedoch gescheitert. Ihr zufolge konnten Städte und Gemeinden mit jugendlichen Kontrollkäufern bereits eine gute abschreckende Wirkung erzielen.

Mitte Januar ist eine Fortsetzung der Testkäufe in der Klingenstadt geplant.

(RP)
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