Marc Westkämper: Ohligs hofft weiter auf das O-Quartier

Marc Westkämper: Ohligs hofft weiter auf das O-Quartier

Marc Westkämper, der Bezirksbürgermeister von Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid, über die Herausforderungen des Stadtteils.

Derzeit gibt Ohligs ein widersprüchliches Bild ab: Überall sprießen Wohnhäuser aus dem Boden, aber genau dort, wo sich längst etwas hätte tun sollen, herrscht Stillstand - beim O-Quartier. Wie beurteilen Sie die Lage des Stadtteils?

Westkämper Grundsätzlich sehr positiv. Wir sind der einzig wachsende Stadtteil, begehrt bei Pendlern und jungen Familien. Aber Wachstum setzt in der Tat auch die entsprechende Infrastruktur voraus. Das Olbo-Projekt befasst uns seit nunmehr sechs Jahren, und es ist traurig, dass trotz intensiver Bemühungen von Politik und Verwaltung keine Fortschritte seitens der Eigentümergesellschaft erkennbar sind.

Fühlt man sich in einer solchen Situation als Bezirksvertreter manchmal ohnmächtig?

Westkämper Ja. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, die Kritiker ins Verfahren eingebunden und einen tragfähigen Kompromiss gefunden, müssen aber leider konstatieren, dass die Eigentümergesellschaft sich wohl am Projekt verhoben hat. Inzwischen hat man uns schon den vierten Architekten und den dritten Projektleiter präsentiert.

Kritiker befürchten ohnehin ungünstige Folgen des Einkaufszentrums für die Ohligser Einzelhandelsstruktur.

Westkämper Die jüngste Vergangenheit hat aber gezeigt, dass diese Kritiker auf dem falschen Weg waren. Wir sind angewiesen auf ein solches Zentrum. Die derzeitigen Leerstände sind auch eine Folge der fehlenden Fortschritte beim O-Quartier. Die Kritiker des Projekts müssen sich vorwerfen lassen, auch zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben.

Wie beurteilen Sie die Tätigkeit der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) zur weiteren Belebung des Ohligser Stadtkerns?

Westkämper Das Engagement der ISG ist sehr wichtig für Ohligs, unabhängig davon, ob das O-Quartier kommt.

Wiederholt gab es in der Vergangenheit Kritik, die Stadt Solingen kümmere sich zu stark um ihr Zentrum und vernachlässige dabei Stadtteile wie Ohligs. Wie stehen Sie dazu?

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Westkämper Teilweise kann ich das schon nachvollziehen: Wir sind das Tor zur Stadt und ein wichtiges Nebenzentrum. Grundsätzlich sollte es auch im Interesse der Stadt sein, die Mittel innerhalb Solingens zu verteilen.

Welche Bedeutung haben für Sie die Pläne zur Entwicklung des Ohligser Ostens?

Westkämper Die sind ein wichtiger Baustein für die Gesamtentwicklung des Stadtteils. Wir sind guter Hoffnung, dass der Bau des Galileums und die baulichen Veränderungen an der Sauerbreystraße und auf dem Buschmanngelände zur Belebung des gesamten Stadtbezirks beitragen werden.

Worin sehen Sie größten Erfolge der Bezirksvertretung in den vergangenen fünf Jahren?

Westkämper Dazu gehören der Erhalt der Festhalle, die abschließende Attraktivierung des Bahnhofsvorplatzes und auch die behutsame Ausweisung von Neubaugebieten, wie zum Beispiel am Siebels oder an der Forststraße.

Sie haben sich für einen Erhalt des Stadions am Hermann-Löns-Weg eingesetzt - auch gegen andere Auffassungen in Ihrer Partei. Wie stehen Sie jetzt den konkreten Plänen zur Wohnsiedlung gegenüber?

Westkämper Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Ich bedauere, dass das Stadion trotz allen Einsatzes nicht mehr zu retten war, sehe aber auch, dass der Bauträger eine gute Planung vorgelegt hat, die das Gelände zu einem attraktiven Wohnstandort werden lässt. Auf dem Weg dahin werden wir die Bürger mitnehmen und alles unternehmen, um Probleme in der Bauphase abzumildern. Es wird eine baldige Bürgerinfoveranstaltung dazu geben.

ALEXANDER RIEDEL STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)
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