Ohligs entwickelt sich zur "Boomtown"

Solingen : Ohligs entwickelt sich zur "Boomtown"

Im westlichen Stadtteil entstehen aktuell rund 500 neue Wohnungen. Wie eine Umfrage unter Immobilien-Experten ergab, ist der Bedarf groß, die Mietpreise werden anziehen.

Ohligs entwickelt sich in den kommenden Jahren in Sachen Wohnen zur "Boomtown". Das ergibt eine Umfrage unter Immobilien-Experten. Und die Mietpreise werden anziehen.

Es war nur eine kleine Randbemerkung von Leo de Man in der Sitzung der Ohligser Bezirksvertretung und dem Stadtplanungsausschuss. Die künftige Miete in den Wohnungen im noch zu bauenden Wohn-O-Quartier werde zehn Euro pro Quadratmeter betragen. Der Geschäftsführer der Firma Kondor Wessels will bis Mitte oder Ende 2021 auf dem frühere Olbo-Gelände Häuser mit 300 Wohnungen errichten. In der Solinger Immobilienbranche sorgt die Nachricht über den künftigen Mietzins nicht für Verwunderung. Max Schunke, der Vorsitzende von Haus & Grund in Ohligs, erklärt: "Ohligs ist ganz stark gefragt."

Leo de Man erklärt, die zehn Euro pro Quadratmeter seien ein Richtwert, denn noch sei die Ausstattung der künftigen Wohnungen nicht ganz klar. Dass es aber in diese Richtung gehen werde, überrascht Achim Filenius nicht. Der Abteilungsleiter für Grundstücksbewertungen bei der Stadt ist zugleich Vorsitzender des Gutachtersauschusses für die Ermittlung von Immobilienpreisen. Lange habe man keine steigenden Mieten gehabt, der Trend habe sich umgekehrt. Solingen erwarte nun mehr Zuzug, besonders Ohligs. In den Städten der Rheinschiene, aber auch in Hilden und Langenfeld würden die Bewohner wegen der niedrigen Mieten längst nach Solingen schauen. Die zehn Euro für den Quadratmeter seien für 2021 realistisch.

Olaf Jansen, selbst im Immobiliengeschäft tätig und Mitglied des Gutachterausschusses, berichtet, bis zu zehn Euro verlange man in Ohligs schon jetzt für Neubauten, allerdings für gehobenen Komfort. Kondor Wessels will im mittleren Preissegment bauen. Und trotzdem, ist sich Jansen sicher, zeige der Trend auch für diesen Sektor zehn Euro an.

Das sind 1,20 Euro mehr als die 8,80 Euro, die der Mietpreisspiegel momentan für Ohligs im Neubau ausweise, erklärt Schunke. Ohligs habe eine gute Verkehrsanbindung, das mache den Stadtteil interessant. Dem stimmt auch Tim Isenburg zu. Der Immobilienhändler ist zugleich Mitglied der Ohligser Jongens, die die Entwicklung des O-Quartiers kritisch begleitet hatten und die Wohnbebauung begrüßen. Was Kondor Wessels baue, sei richtig. "Ich würde das auch so tun." Denn die künftigen Mieter brächten auch Kaufkraft nach Ohligs. Zusammen mit den anderen Bauvorhaben kämen mindestens 1000 Neubürger nach Ohligs, schätzt Isenburg, dass pro Wohnung zwei Bewohner einziehen. Vielleicht auch mehr.

"Ohligs ist der Hot-Spot", sagt Isenburg. Deshalb glaubt er nicht, dass der Markt mit rund 500 neuen Wohnungen überschwemmt werde. Die Stadt hat in einer ersten Stufe für ihr Handlungskonzept Wohnen bereits 1000 Wohnungen als Bedarf für ganz Solingen bis 2025 von Gutachtern ermitteln lassen.

Ob es am Ende 9,50 oder 10,50 Euro Ende 2021 als Mietdurchschnitt pro Quadratmeter für den mittleren Bereich in Ohligs geben werde, sei Kaffeesatzleserei, gibt Jansen zu bedenken. Aber auf Mietsteigerungen müssten sich die Bewohner wohl oder übel einstellen.

(RP)