Solingen: Offene Briefe zum Zentrum

Solingen: Offene Briefe zum Zentrum

Dr. Rolf Jessewitsch, Leiter des Gräfrather Museums Baden, und Hajo Jahn, Vorsitzender der Wuppertaler Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, haben sich mit Briefen an die Politik und Öffentlichkeit gewandt.

In die öffentliche Diskussion um die zukünftige Nutzung und Aufteilung des Gräfrather Museum Baden haben sich jetzt Museumsleiter Dr. Rolf Jessewitsch und Hajo Jahn, Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, in öffentlichen Briefen eingeschaltet. Jessewitschs Erklärung ist auch eine Reaktion auf die Befürchtungen des Solinger Kunstvereins, dass nach dem Einstieg des Landschaftsverbandes Rheinland in den Bereich der verfemten Kunst im bisher praktizierten Zwei-Säulen-Modell das Standbein der zeitgenössischen Kunst nicht mehr gleichgewichtig ausfallen wird.

"Die neuen einzigartigen Sammlungsschwerpunkte verfemte Kunst und verb(r)annte Dichter sind eine große Chance für einen Kulturstandort Solingen. Sie stellen wichtige Beiträge zur deutschen Kulturgeschichte des vergangenen Jahrhunderts dar und Ausstellungen dazu wurden und werden im In- und Ausland rege nachgefragt", schreibt Jessewitsch. "Folge dieser Bedeutung ist das große Engagement des Landschaftsverbandes Rheinland, diese Sammlungen mit überregionalen Bezügen durch einen Stiftungsanteil von zwei Millionen Euro und einem Betriebskostenzuschuss von 250 000 Euro pro Jahr für die kulturinteressierten Bürger im Rheinland und darüber hinaus zu erhalten und zu fördern."

Zum Standort Solingen würde sich das Museum Baden mit einer anderen Abteilung bekennen. "Hier werden regelmäßig Werke aus der Kunstsammlung der Stadt Solingen vorgestellt. Zudem findet alljährlich die Bergische Kunstausstellung statt, die Tradition und Zukunft hat. Hier werden aktuelle Kunstentwicklungen vorgestellt und in deren Umfeld erhalten junge Künstler eigene Ausstellungen." Zudem würden Lesungen prominente Schauspielerinnen und Schauspieler an nahezu vergessene Dichter erinnern und auch die Klavierkonzerte junger Pianisten wären unverzichtbarer Bestandteil des Programms. "Das Team des Museums arbeitet daran, alle Programmbereiche zu erhalten", erklärt Jessewitsch.

Brief an die Bundeskanzlerin

Auch Hajo Jahn hat einen offenen Brief veröffentlicht: Zum Zentrum gegen Vertreibung. Adressaten sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Mitglieder des Deutschen Bundestages. "Auf dem Zentrum gegen Vertreibung liegt in der jetzigen Form kein Segen. Andererseits haben Politiker wie Vaclav Havel, Lennart Meri, Lech Walesa sowie Wladyslaw Bartoszewski bei Else-lasker-Schüler-Foren in Prag und Breslau mitgewirkt und ihre Sympathie für das Zentrum für verfolgte Künste bekundet", so Jahn. "Dieses Zentrum befindet sich unter dem Dach des Kunstmuseums Solingen im Aufbau. Wir bitten um eine Chance, die Thematik vom Kopf auf die Füße zu stellen, Ursachen und Folgen darzustellen und die Persönlichkeiten zu ehren, die widerständig waren."

(RP)