1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Obus-Museum Solingen: „Mendoza“-Bus TS1 wird restauriert

Obus-Museum Solingen : Am „Geburtstag“ auf Werbefahrt

Am 30. Mai zeigt der Verein, welche Busse man nach der Pandemie für Sonderfahrten mieten kann. Weiterer alter Obus wird restauriert.

Sie sind noch da – und das wollen sie am 30. Mai auch allen zeigen. Die Vereinsmitglieder des Obus-Museums bringen ihren Fuhrpark am übernächsten Samstag auf die Straße und feiern so „Geburtstag“: Vor 40 Jahren ging die Obus-Linie vom Graf-Wilhelm-Platz zur Siedlung Hasseldelle in Betrieb – für den 1999 gegründeten Verein der ideale Zeitpunkt, um sich in Erinnerung zu rufen.

„Man sieht uns nicht mehr“, sagt Dietmar Hartkopf, der für das Obus-Museum die Sonderfahrten koordiniert. Durch die Corona-Auflagen sei bereits die Saison 2020 „sehr schwach“ gewesen. „Aufgrund des Lockdowns konnten wir nur im Spätsommer einige wenige Sonderfahrten durchführen, unter anderem für eine Hochzeitsgesellschaft.“ Ein starker Kontrast zum Jahr davor: In der Saison 2019 gab es von April bis Oktober an fast jedem Wochenende eine Sonderfahrt. Sie werden auch bei Firmenkunden immer beliebter.

Von den Touren am 30. Mai wird die Vereinskasse nicht durch Fahrgeld profitieren. „Leider dürfen wir derzeit keine Personen befördern“, unterstreicht Dietmar Hartkopf. Natürlich freue man sich aber über Spenden, wenn Interessierte an den Endhaltestellen Schule Widdert und Hasselstraße sowie am Graf-Wilhelm-Platz das Gespräch suchen und Fotos schießen wollten.

  • Fotos : Alte Obusse aus Solingen auf den Straßen von Sarajevo
  • Fotos : Mit dem BOB unterwegs durch Solingen
  • Der Förderverein will ein Freibad in
    Runder Tisch Niederkrüchten : Freibad-Verein wirbt um neue Mitglieder

Zu sehen sind zwei Obusse des Museums, Wagen 59 (ÜHIIIs) aus dem Jahr 1959 und der 1986 gebaute MAN-Obus 42, sowie der 1982 gebaute Dieselbus 151 von Mercedes-Benz (Typ O305). Hartkopf: „Geplant ist außerdem der Einsatz aller Obus-Typen, die zum aktuellen Wagenpark der Stadtwerke gehören.“

Nicht dabei ist der Wagentyp, der vor 40 Jahren auf der zur Hasseldelle verlängerten Linie 684 verkehrte: der kantige TS. „Diese zweite Obus-Generation wurde nur für die Klingenstadt entworfen“, erläutert der Koordinator. Der Verein sei stolz, dass man „zwei dieser einzigartigen Fahrzeuge“ aus Argentinien nach Solingen zurückholen konnte. Denn neben dem 2014 zurückgekehrten TS3 gibt es seit Herbst 2019 auch noch einen TS1 der ersten Serie.

Während der jüngere TS3 (Wagen 68) schon seit Jahren restauriert wird und am 22. Juni 2022 betriebsbereit sein soll – dann besteht das Solinger Obus-System seit 70 Jahren –, ist TS1 (Wagen 10) noch in einem desolaten Zustand. Der Verein will ihn trotzdem erhalten – und ihn zumindest äußerlich in den Zustand versetzen, den der „Trolleybus Solingen“ früher aufwies. „Dieses Fahrzeug wäre eine Bereicherung für die geplante Ausstellung im Forum Elektromobilität auf dem Rasspe-Gelände“ kommentiert Dietmar Hartkopf. „Meines Wissens nach war es der erste Niederflurbus in Deutschland. Anders als TS3 hatte er einen stufenlosen Einstieg an der vorderen Tür.“

Am Montag wurde der blau lackierte Bus auf dem Betriebshof der Stadtwerke abgeholt – dort, wo der Obus-Verein sein Domizil hat. Die Karosserie wird in Bayern aufgearbeitet. Zurückerwartet wird der „Mendoza“-Bus im nächsten Jahr. „Normalerweise wäre er in zwei bis drei Monaten fertig“, berichtet Vorstandsmitglied Hartkopf. Der Ablauf hänge aber davon ab, „wie wir Geld haben“. Der Transport des TS1-Fahrzeugs, bei dem im Hafen noch der VW-Motor des Busses gestohlen wurde, habe rund 20.000 Euro gekostet. Und schon die einfachere Wiederherrichtung eines Dieselbusses schlage mit zirka 100.000 Euro zu Buche. Die Restaurierung eines Obusses sei teurer.

Deshalb ist der Vereinsvorstand nicht nur auf Sponsoren und die Unterstützung durch die Mitglieder angewiesen, sondern will auch – nach Lockerung der Auflagen – wieder Sonderfahrten anbieten. „Wir haben bereits Buchungen für die Zeit ab Juli“, freut sich Dietmar Hartkopf. Der Mietpreis pro Bus beträgt 140 Euro für die erste und 100 Euro für jede weitere Stunde. Wer keinen Bus mieten will, kann auch 150 Euro für die Wiederherrichtung eines Sitzes spenden.