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OB-Wahl in Solingen: Grüne geben Tim Kurzbach 100 Prozent

OB-Wahl in Solingen : Grüne geben Tim Kurzbach 100 Prozent

Der SPD-Oberbürgermeister kann bei der Kommunalwahl 2020 erneut auf die Unterstützung der Grünen zählen. Deren Mitglieder kürten ihn einstimmig zum Kandidaten für die Verwaltungsspitze.

So viel Vertrauen machte selbst den eloquenten Oberbürgermeister für einen kurzen Moment sprachlos: Mit 63 von 63 abgegebenen Stimmen hatten die Mitglieder der Solinger Grünen SPD-Mann Tim Kurzbach auch als ihren Kandidaten für die OB-Wahl im September 2020 nominiert.

„Wir können nur hoffen, dass er ein ähnlich gutes Ergebnis in der SPD schafft“, unkte die stellvertretende Ohligser Bezirksbürgermeisterin Juliane Hilbricht scherzhaft. „Ich bin noch nicht fertig“, bekräftigte derweil Kurzbach, und schwor die Mitglieder der Grünen auf ihrer Versammlung im ehemaligen Theaterrestaurant am Samstag auf den Kommunalwahlkampf ein: „Wenn wir zusammen stehen, werden wir gewinnen.“

Schon bei seiner ersten Wahl ins höchste Amt der Stadt im Jahr 2015 hatten ihn die Grünen unterstützt. Deren aktueller Höhenflug bei gleichzeitiger Krise der Sozialdemokraten hatte allerdings zuletzt die Frage nach einem eigenen OB-Kandidaten aufgeworfen. Allein in Solingen stieg die Mitgliederzahl der Grünen in den letzten vier Jahren von 104 auf 160. Obwohl sich Vertreter beider Parteien in intensiven Gesprächen erneut auf den gemeinsamen Kandidaten verständigt und auch die Mitglieder der Grünen Jugend Kurzbach ihren Segen gegeben hatten – so ganz sicher schien sich der Amtsinhaber seiner Nominierung durch die grüne Basis bis zuletzt nicht zu sein: Denn in einer sehr emotionalen Ansprache sprengte Kurzbach am Samstag das Zeitlimit von 20 Minuten. „Wir haben viel gemeinsam erreicht“, betonte er. Als besondere Erfolge seiner Amtszeit erwähnte er unter anderem die Sanierung von Solinger Schulen - und sprach dabei vom „größten Investitionspaket für Bildung seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Auch auf die Flüchtlingswelle aus dem Wahljahr 2015 kam Tim Kurzbach zu sprechen. Dabei habe er sich im Hinblick auf das Gelingen von Integration für die Anmietung hunderter Wohnungen statt weiterer Massenunterkünfte stark gemacht. Nicht zuletzt herrsche unter den Mitarbeitern im Rathaus eine andere Stimmung als vor vier Jahren.

Zu den erklärten gemeinsamen Zielen, mit denen SPD und Grüne in die nächste Kommunalwahl gehen, zählen wiederum der Erhalt aller Solinger Museen, die stärkere ­Begrünung der Stadt, etwa durch Neuanpflanzung von 10.000 Bäumen – und die Verkehrswende durch den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs sowie bessere Bedingungen für Radfahrer. Für den Verbleib des Klinikums in kommunaler Hand treten die beiden Parteien laut eigenem Bekunden ebenso ein wie für mehr sozialen Wohnungsbau.

Und auch urgrüne Themen wie Umweltschutz und Ressourcen-schonung schrieb sich Kurzbach auf die Fahnen: Dabei hob er das städtische Nachhaltigkeitskonzept hervor. Für dezente Kritik sorgte die Entscheidung gegen einen „kommunalen Klimanotstand.“ „Ich stehe in der Verantwortung, nicht nur einen Zustand zu erklären, sondern aktiv etwas zu verändern“, entgegnete Kurzbach daraufhin - und bekam Schützenhilfe von Ehefrau Ursula Linda, selbst langjährige Grünen-Politikerin und Klimaschutzmanagerin in Wülfrath: „Das ist mein Thema.“ Mit welchen konkreten Maßnahmen die Stadt der globalen Herausforderung begegne, werde sie immer im Blick behalten.

Eine formale Wahl Kurzbachs als OB-Kandidat war die Entscheidung vom Samstag übrigens noch nicht. Sie findet erst im Frühjahr statt.