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Solingen: "Nicht bloß ein schönes Märchen"

Solingen : "Nicht bloß ein schönes Märchen"

Beim Gottesdienst sitzt die Dorper Gemeinde heute, Gründonnerstag, an langen Tischreihen. "Wir glauben, dass das Abendmahl nicht bloß ein schönes Märchen ist, sondern die Vergegenwärtigung eines ganz handfesten Geschehens", sagt Pfarrer Klaus Hoffmann: "Wir essen gemeinsam und vergewissern uns, dass auch die Gemeinschaft mit Jesus bestehen bleibt."

Beim Gottesdienst sitzt die Dorper Gemeinde heute, Gründonnerstag, an langen Tischreihen. "Wir glauben, dass das Abendmahl nicht bloß ein schönes Märchen ist, sondern die Vergegenwärtigung eines ganz handfesten Geschehens", sagt Pfarrer Klaus Hoffmann: "Wir essen gemeinsam und vergewissern uns, dass auch die Gemeinschaft mit Jesus bestehen bleibt."

Der Dorper Pfarrer bereitet den evangelischen Gottesdienst (19 Uhr) im Gemeindezentrum Arche, Eichenstraße, vor. Auch in Texten und Liedern wird an die Bedeutung des Abendmahls - das letzte Mahl Jesu mit seinen Begleitern - für Christen gedacht, danach wird gemeinsam gegessen.

Anders als sonst im Jahr, wenn das Abendmahl symbolisch nur mit einem kleinen Stück Brot oder einer Oblate und mit einem Schluck Wein oder Traubensaft gefeiert wird, soll am Gründonnerstag jeder satt werden, teilt Pressepfarrer Thomas Förster mit. Darum stehen in der Arche Platten mit belegten Broten, Kannen mit Traubensaft und Weinflaschen auf den Tischen.

In der Karwoche gedenken Christen des Leidens und Sterbens Jesu am Kreuz. Die Karwoche hat bereits mit dem Palmsonntag eine Woche vor Ostern begonnen, an dem in den Gottesdiensten an den Einzug Jesu in Jerusalem gedacht wurde.

Ostern sei das größte und wichtigste Fest der Christen, erklärt Prälat Heinz-Manfred Jansen, Pastor der katholischen Pfarreiengemeinschaft West. Kein anderes christliches Fest werde so lange und gründlich vorbereitet. "40 Tage dauert die österliche Bußzeit, die Fastenzeit."

Mit einem Passionskonzert in der Nacht zu Karfreitag greift der Merscheider Organist Oliver Richters in der Friedhofskapelle an der Wissmannstraße eine uralte christliche Tradition auf. Er rezitiert Texte, kombiniert mit Orgelmusik. Beginn heute: 22 Uhr. Gründonnerstag, der Name hängt vermutlich mit dem aus dem Althochdeutschen stammenden Wort "Greinen" (Weinen, Klagen) zusammen. Am Karfreitag steht dann die Erinnerung an den Tod Jesu am Kreuz auf dem Hügel Golgatha vor Jerusalem im Mittelpunkt.

In vielen Kirchen werden als Zeichen der Trauer Kerzen und Blumen vom Altar entfernt. Die Kirchenglocken schweigen an diesem Tag. Doch schon Martin Luther und andere Reformatoren betonten, dass Jesu Tod am Kreuz die Befreiung aus der Schuld und die Versöhnung mit Gott bewirke. Darum gilt der Karfreitag als höchster evangelischer Feiertag, erklärt Pfarrer Förster.

Im Städtischen Klinikum gestaltet Klinikpfarrerin Renate Tomalik den Karfreitagsgottesdienst (10 Uhr) gemeinsam mit "Grünen Damen" von der "Ökumenischen Krankenhaushilfe". In der Stadtkirche Ohligs, Wittenbergstraße, wird der morgendliche Gottesdienst ergänzt um 15 Uhr durch eine Andacht zur Todesstunde Jesu. Jörg-Peter Schulz spielt die Orgel.

Tradition hat die Prozession der Missione Cattolica Italiana, die den Kreuzweg Jesu nachzeichnet. Diese beginnt um 15 Uhr im Walder Stadion und führt zum Parkplatz an der Weyerstraße nahe der katholischen Kirche St. Katharina. Singend und betend ziehen Karfreitag am Abend zudem junge Christen bei einem ökumenischen Jugendkreuzweg von der Kirche in Widdert, von St. Mariä Empfängnis in Kohlsberg und Merscheid, von St. Josef Krahenhöhe und St. Clemens zur Lutherkirche, um einen gemeinsamen Gottesdienst (21 Uhr) zu feiern.

Osterfeuer werden unter anderem am Samstag um 19 Uhr neben der Dorper Kirche, Schützenstraße, entzündet - sowie um 21 Uhr auf dem Gräfrather Markt.

Am späten Abend oder am Ende der Nacht zwischen Samstag und Sonntag leiten Gottesdienste zur Osternacht von der Karwoche zum Ostermorgen und vom Gedenken an das Sterben Jesu zur Freude über seine Auferstehung über.

(RP)