Solingen: Nicht an Schließung denken

Solingen : Nicht an Schließung denken

Am Wochenende konnten Interessierte wieder in der Lutherkirche Ruhe finden, Interessantes erfahren oder den Turm besteigen. Vor dem Hintergrund der drohenden Schließung kamen viele Besucher.

Den negativen Schlagzeilen trotzen, heißt es beim Tag der "offenen Lutherkirche". "Wir wollten eigentlich immer schon mal auf den Turm", erzählt Bernd Wolff, der mit seiner Ehefrau und Sohn Matthias die von der Schließung bedrohte Kirche besucht. Vor dem Hauptportal der evangelischen Kirche empfängt Hansjörg Schweikhart, Vorsitzender des Lutherkirchen-Bauvereins, die Gäste und beantwortet Fragen zur Architektur und Geschichte des 1901 eingeweihten Gotteshauses. Dann setzt sich der etwa 15-köpfige Tross in Bewegung, um die 136 Treppenstufen des Glockenturmes zu erklimmen. Nachdem die Besucher eine schmale Wendeltreppe überwunden haben, gelangen sie in ein Gewölbe, in dem es über Holzstufen weitergeht. Schließlich muss man eine steile Leiter hinaufklettern. Endpunkt der Wanderung ist die Kammer, in der sich die drei Glocken befinden. Beim Ausblick über die Stadt, in Richtung Cronenberg und bis zum linken Niederrhein atmet so manch einer tief durch.

"Seit wir im August 2010 damit begonnen haben, diese Führungen anzubieten, haben wir hier etwa 550 Leute raufgeschleust", berichtet Schweikhart. Darunter seien neben Familien und einzelnen Privatleuten auch Gruppen, wie zum Beispiel die Rotarier gewesen. Dabei mussten erst Widerstände überwunden werden, ehe Schweikhart den Gästen diesen Blick verschaffen konnte. "Es gab Diskussionen mit dem Bauausschuss und im Presbyterium. Aber wir waren hartnäckig. Es ist gut für die Kirche, wenn Leute sich das hier anschauen", sagt der ehemalige Presbyter. Seit langer Zeit engagiert er sich darin, das Baudenkmal stärker ins Bewusstsein der Solinger Bürger zu rücken. Den Beschluss, die Kirche im Juni 2013 beschließen, will er nicht ganz kampflos hinnehmen.

20 neue Vereinsmitglieder

"Der Lutherkirchen-Bauverein wird in einer Woche 20 neue Mitglieder bekommen." Viele Leute seien bereit zu spenden, aber auch nur dann, wenn man ihnen versichern könne, dass die Gelder nicht für den Abriss der Kirche verwendet würden, führt Schweikhart aus. "Ich bin Optimist", sagt er. Die Besucher sind beeindruckt von der Führung und bedauern den Beschluss der Schließung, auch wenn sie die finanziellen Gründe nachvollziehen können. "Man müsste kreative Lösungen finden", sagt Elke Wolff. Ihr Ehemann pflichtet bei: "Die Lutherkirche ist schließlich ein besonders schönes Gebäude, das einfach zu Solingen gehört."

(RP)