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Solingen: Neuer Schienenaufbau für die Brücke

Solingen : Neuer Schienenaufbau für die Brücke

Der 107 Meter hohe Stahlkoloss wird für die S 7 des "Müngsteners" am 28. Juni wieder geöffnet. Eine Sperrung über mehrere Tage wird es im Zuge der Sanierung anschließend nicht mehr geben, kündigte die Bahn gestern an.

Noch schwebt die elf Tonnen schwere Stahlkonstruktion an Tauen wenige Zentimeter über den Auflagen. Per Spezialkran ist der 7,5 Meter lange und 8,5 Meter breite Doppelgleiskörper präzise über die Verschraubungen gehievt worden. "Wir arbeiten hier im Millimeterbereich," sagt Michael Käufer. Neben dem Bahn-Projektleiter wiegen sich auf der Müngstener Brücke die elf Tonnen Stahl leicht hin und her. "Das ist für uns ein ganz entscheidender Arbeitsschritt."

Gestern wurde bei der Sanierung des 107 Meter hohen Bauwerks zwischen Solingen und Remscheid das erste Segment der neuen Fahrbahnbrücke eingebaut. Es ist eines von 33 Stahlelementen, die in den nächsten Wochen von der Schaberger Seite aus nacheinander auf den denkmalgeschützten Stahlkoloss, der das Tal der Wupper überspannt, aufgelegt werden. Die weiteren Segmente des Schienenaufbaus sind allerdings doppelt so lang und damit auch doppelt so schwer. Drei Tage sind kalkuliert, um jedes auf der 465 Meter langen Brücke zu befestigen. 21 dieser Bauteile — alle bereits im neuen dunkelgrau gestrichen — liegen in Schaberg schon bereit.

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Projektleiter Käufer ist optimistisch. Der außergewöhnlich milde Winter hat keine Verzögerungen bei den Sanierungsarbeiten gebracht. "Wir gehen auch nicht mehr davon aus", betont er und zurrt den weiteren Terminplan fest. Am 27. Juni soll der erste Bauabschnitt mit der Erneuerung der Fahrbahnbrücke abgeschlossen sein. Samstag, 28. Juni, wird die Brücke nach seinen Worten wieder befahrbar sein, dann von den Abellio-Zügen, die die S 7 des "Müngsteners" inzwischen bedienen.

Käufer kündigt im Gespräch mit unserer Zeitung an, dass im Zuge der weiteren Sanierungen den 5000 Bahnreisenden, die die bergische Strecke täglich nutzen, dann keine nennenswerten Brückensperrungen mehr drohen. Wenn überhaupt, werde sie nur noch an einzelnen Tagen gesperrt werden müssen.

Ziemlich lang ist die sprichwörtliche Durststrecke für all die Pendler, die auf dem Weg zum Arbeitsplatz in den Schienenersatzbus steigen müssen und damit wertvolle Zeit verlieren, ohnehin bereits. Seit 1. April vergangenen Jahres ist die Brücke gesperrt. Wegen im Vorfeld nicht abzuschätzender Schäden an den Kopfplatten, die den Schienenaufbau tragen, musste die Brücke auch über die Wintermonate unpassierbar bleiben. Etwa zehn Prozent dieser 126 Stahlplatten mussten saniert werden.

Das Volumen von 30 Millionen Euro, das die Bahn in die Sanierung der Brücke investieren will, sprengen die zusätzlichen Arbeiten allerdings nicht. "Wir sind bislang im Kostenrahmen", sagt Projektleiter Käufer.

Ende Januar war das letzte Segment des alten Schienenaufbaus demontiert worden. Das über 100 Jahre alte Bauteil im Originalzustand wird als Museumsstück möglicherweise im Müngstener Brückenpark einen Ehrenplatz bekommen. Die einzelnen Stahlträger der neuen Fahrbahnbrücke sind nicht mehr vernietet, sondern verschweißt. Dies sei mit dem Denkmalschutz abgestimmt, erklärt der Projektleiter.

Dadurch verliert die Brücke an Gewicht. Der neue Schienenaufbau wiegt wegen der modernen Schweißtechnik 100 Tonnen weniger, aber immer noch beachtliche 700 Tonnen.

(RP)