Solingen: Neuer Balken stützt Merscheider Kirchturm

Solingen : Neuer Balken stützt Merscheider Kirchturm

Das Gotteshaus wird mit Hilfe von Spendengeld renoviert. Auf dem Friedhof gibt es nun ein Kolumbarium, eine Grabkammer für Urnen.

Die Erinnerung an einen verstorbenen Menschen wach zu halten, auch wenn Angehörige weit entfernt wohnen oder selbst nicht mehr in der Lage sind, ein Grab zu pflegen — das soll das Kolumbarium auf dem evangelischen Friedhof an der Wissmannstraße ermöglichen.

"Erstmalig gibt es in Nordrhein-Westfalen mehr Feuerbestattungen als sonst übliche Bestattungen", sagt Klaus Diederich, Vorsitzender des Friedhofsausschusses der Merscheider Gemeinde. Ein Kolumbarium, lateinisch für "Taubenschlag", ist ein Gewölbe zur Aufbewahrung von Urnen. Auf dem Merscheider Friedhof entstand eine letzte Ruhestätte mit 16 Kammern. In graue Granittafeln sollen künftig die Namen und Lebensdaten der Verstorbenen eingraviert werden. Die Ruhezeit liegt bei 30 Jahren und kann darüber hinaus verlängert werden. Anschließend sollen die Urnen auf dem Friedhof beigesetzt werden.

Das in Kreuzform gestaltete Kolumbarium passt sich optisch an die kürzlich sanierte Friedhofskapelle an. "Wir haben schon jetzt einige Nachfragen", berichtet Diederich. Zum Thema "Beerdigungskultur im Wandel" bietet die Merscheider Gemeinde am kommenden Donnerstag, 8. November, um 19 Uhr im Gemeindehaus an der Hofstraße einen Gesprächsabend an. Unabhängig von der Form der Bestattung solle die Grabstätte für die Angehörigen ein Ort der Erinnerung, des Trosts und auch der Hoffnung auf Auferstehung sein, betont Klaus Diederich, der neben dem Friedhofsausschuss auch den Bauausschuss der Merscheider Kirchengemeinde leitet.

In letzterer Funktion betreut er derzeit die umfassenden Renovierungsarbeiten am Wahrzeichen des Stadtteils, der Kirche an der Hofstraße. Anfang Oktober begradigte das Team um Architekt Andreas Wiedmann den Helm des Kirchturms, der sich um einen Meter zur Seite geneigt hatte. Morsche Holzbalken wurden dabei ersetzt. Gestern tauschten die Handwerker mit einem Hochkran den sogenannten Kaiserstiehlbalken aus. Er ist so etwas wie das Herzstück des Kirchturmhelms und hält die dicken Balken an der Spitze des Turmes zusammen.

In der "Schneepause" bis zum Februar werden Zimmerleute ihre Sanierungsarbeiten im Inneren des Turms fortsetzen. Um kein Risiko durch mögliche Schneelasten zu riskieren, befreien die Handwerker die Kirche zunächst von ihrem Gerüst, um es aber im Frühjahr wieder aufzubauen: Dann soll die letzte Etappe der Arbeiten mit der Sanierung der Fassade und des Daches erfolgen. "Bei allen Baumaßnahmen arbeiten wir sehr gut mit der Unteren Denkmalbehörde zusammen", hebt Wiedmann hervor. Lob verteilen die Planer der Sanierung auch an die Bürger: "Wir haben 32 000 Euro an Spenden bekommen", sagt Klaus Diederich.

Auch die Merscheider Vereine nähmen großen Anteil an den Arbeiten. Für die langfristig angelegten Bauarbeiten benötigt die Gemeinde weitere Unterstützung, da die Gesamtkosten rund 540 000 Euro betragen.

(RP/rl)
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