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Solingen: Neue Unterkunft für Flüchtlinge

Solingen : Neue Unterkunft für Flüchtlinge

Anfang Juni soll das Holzhaus an der Zietenstraße bezogen werden. Sporthallen, in denen Flüchtlinge notgedrungen unterkommen mussten, werden nicht mehr gebraucht. Gleiches gilt für das Gemeindehaus an der Corinthstraße.

Im Gemeindehaus an der Corinthstraße herrschte gestern erneut viel Geschäftigkeit. Logisch, dass wieder Ehrenamtliche mithalfen, um den Betrieb mit den 31 Flüchtlingen, die die evangelische Gemeinde dort derzeit noch aufgenommen hat, zu stemmen. "Wir haben gerade jetzt Neuaufnahmen bekommen", sagt Gemeindeschwester Bettina Hahmann. Zuspruch brauchen von ihr momentan aber weniger die Neuankömmlinge, sondern der ein oder andere Ehrenamtliche aus dem 30-köpfigen Team.

Manche hatten Tränen in den Augen, als sie erfuhren, dass das Gemeindehaus an der Corinthstraße ab dem 1. Juni nicht mehr mit Geflüchteten belegt sein wird und ihr ehrenamtlicher Einsatz in der Form dann erst einmal nicht mehr benötigt wird. Denn längst ist ein Vertrauensverhältnis zu den Menschen aus anderen Ländern entstanden, die Hilfe gebraucht und in der Walder Gemeinde ein Zuhause gefunden haben.

Dass die Stadt die Unterkunft mit den Betten, die dicht an dicht im Gemeindesaal stehen und die auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise aufgebaut wurden, so schnell schon nicht mehr benötigt, hat die Gemeinde nicht erwartet.

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Auch aus Sporthallen, in denen Flüchtlinge notgedrungen untergebracht werden mussten, ziehen sie nun aus. An der Zweigstraße soll der Sportbetrieb zum 1. Juni wieder aufgenommen werden; die Krahenhöhe ist bereits leer. Auch das alte Hallenbad Sauerbreystraße wird als Notunterkunft nicht mehr benötigt.

Dies liegt auch an den Holzhäusern, die entstehen sollen. Jenes an der Zietenstraße soll Anfang Juni bezogen werden. Flüchtlinge, die Solingen neu zugewiesen werden, werden dort untergebracht. Menschen, die bislang notgedrungen mit Gemeinschafts-Unterkünften wie im Gemeindehaus an der Corinthstraße vorlieb nehmen mussten, ziehen dort ebenso ein. Die Herberge im Kirchenhaus, das die evangelische Gemeinde in Wald freiräumte und in das vor gut fünf Monaten die ersten Schutzsuchenden einzogen, hat die Gemeinde verändert. "Durch die persönlichen Kontakte ist viel in Bewegung gekommen", sagt Pfarrer Hartmut Schneider.

Der 29-jährige Abut Zreik aus Syrien beispielsweise, der in Wald inzwischen eine Wohnung gefunden hat und schon gut Deutsch spricht, hilft in der Gemeinde jetzt sogar selbst als Ehrenamtlicher mit. "Wir haben den Menschen", berichtet Gemeindeschwester Bettina Hahmann, "die erste Heimat in Deutschland gegeben. Und Ehrenamtliche, die mitgeholfen haben, konnten Kirche einmal ganz anders erleben."

Von Juni an steht das Haus an der Corinthstraße der Gemeindearbeit zur Verfügung. Diese wird dann auch stattfinden, sagt Hahmann. Turngruppen und Seniorkreise, die ein Ausweichquartier gefunden haben, werden sich dort wieder treffen, ebenso der Flötenkreis. Kirchen- und Posaunenchor werden ebenfalls wieder an der Corinthstraße proben.

Das Kontaktbüro, das die Gemeinde und das Netzwerk "Willkommen in Wald" gegenüber der evangelischen Kirche im Rundling eingerichtet haben, wird von den Veränderungen nicht erfasst und bleibt bestehen.

(RP)