Solingen: Neue Chance für Zwergschulen

Solingen: Neue Chance für Zwergschulen

Ein neues Konzept der Landesregierung könnte kleineren Grundschulen das Überleben sichern – und damit auch das Ketzberger Grundschulhaus. Das kündigt Ministerin Sylvia Löhrmann an. Bei Neugründungen, wie einer vierten Gesamtschule in Solingen, entscheide der Elternwille.

Ein neues Konzept der Landesregierung könnte kleineren Grundschulen das Überleben sichern — und damit auch das Ketzberger Grundschulhaus. Das kündigt Ministerin Sylvia Löhrmann an. Bei Neugründungen, wie einer vierten Gesamtschule in Solingen, entscheide der Elternwille.

Dass derzeit Ruhe an der politischen Schulfront herrscht, rechnet die Solinger Landtagsabgeordnete, Sylvia Löhrmann (Grüne), der seit anderthalb Jahren regierenden Koalition aus SPD und Grünen als einen ganz wesentlichen Erfolg an. Wohl auch sich selbst, schließlich ist sie Schulministerin. Der Schulkompromiss, der die Einführung der Sekundarschule als neue Schulform möglich machte, trägt offenbar.

Doch gute Ratschläge für die Klingenstadt will die stellvertretende Regierungschefin gestern beim Pressegespräch in der Solinger Geschäftsstelle der Grünen nicht geben. Ob Hauptschulen aufgelöst werden und wie überhaupt die Zukunft der beiden verbleibenden Hauptschulen Central und Höhscheid aussehen könnte, ob Sekundarschulen eingeführt, ob eine vierte Gesamtschule für Solingen sinnvoll ist oder nicht, das entscheide allein der Schulträger, also meist die Kommune.

"Da wird es keine Vorgaben vom Land geben", sagt Löhrmann. Einen Ratschlag gibt sie dann doch: "Kommunen und sonstige Schulträger sind gut beraten, den Elternwillen gut vorbereitet abzufragen und ihn ernst zu nehmen." Zwischen 30 und 50 Anträge gebe es derzeit landesweit zur Einrichtung von Sekundarschulen, etwa zehn für neue Gesamtschulen. Voraussichtlich bis Mitte Februar werde über diese Anträge entschieden.

Neues Konzept für Grundschulen

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Konkrete Veränderungen könnten sich künftig durch ein neues Grundschulkonzept ergeben, das die Regierung bis Mitte 2012 durch den Landtag beschließen lassen will und das ab 2013 wirksam würde. Es sieht Löhrmann zufolge unter anderem kleinere Klassen und kleinere Schulen vor. "Die Grundschulen legen das Fundament unsere Bildung", sagt die Schulministerin.

Waren bisher in der Regel nur zweizügige Grundschulen zugelassen (144 Schüler), so dürfen sie künftig auch einzügig laufen, mit 92 Schülern, als Teilstandort sogar mit 46 Schülern. Schulleitung und Kollegien von Haupt- und Teilstandort bleiben eine Einheit. Für die Verwaltung der Teilstandorte bekommen Schulleiter zusätzliche Stundendeputate (zwischen elf und sieben) angerechnet und werden so entlastet.

Für kleine, von Schließung bedrohte Grundschulen wie die in Ketzberg könnten sich daraus neue Überlebenschancen ergeben, ist Löhrmann überzeugt. Entscheiden müssten aber auch in dieser Frage die Kommunen vor Ort. Gut 100 Eltern und Kinder waren im Sommer bei einer Demo für den Erhalt des Ketzberger Grundschulhauses an der Lützowstraße auf die Straße gegangen. 19 Kinder wurden dort angemeldet.

Die Klassenrichtzahl soll für Grundschulen von 24 auf 22,5 gesenkt werden, sagt Löhrmann. Klassen unter 15 Schülern soll es bald nicht mehr geben, ebenso wenig Lerngruppen mit mehr als 30 Kindern.

Und: Trotz sinkender Geburtenraten sollen 1700 Lehrerstellen bleiben. Auch bei der Kita-Betreuung will die Landesregierung weiteres Geld investieren, ließ die Ministerin verlauten. Für Solingen bedeute das: Insgesamt 3,5 Millionen Euro aus der Landeskasse fließen bis 2013 zusätzlich in den Ausbau der U 3-Betreuung.

(RP)
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