Solingen : Natur im Stress

In der Wupper wachsen immer weniger Pflanzen. Die Biologische Station will nun prüfen, woran dies liegt. Gründe gibt es viele, zum Beispiel die Menschen, die den Fluss stärker als früher nutzen.

Die Entwicklung der Unterwasserpflanzenwelt in der Wupper sieht Dr. Jan Boomers mit Besorgnis. "Die Situation hat sich seit 2004 dramatisch verschlechtert", sagt der Geschäftsführer der Biologischen Station Mittlere Wupper. Zählte man vor fünf Jahren an manchen Untersuchungspunkten noch neun verschiedene Pflanzenarten, seien es 2007 teilweise nur noch drei gewesen. "Und in 2008 und 2009 ist es sogar noch schlimmer geworden, obwohl wir diesen und letzten Sommer nicht – wie in den zwei Jahren zuvor – untypische Sommerhochwasser hatten, die die ausgewachsenen Pflanzen einfach mit sich reißen."

Mögliche Gründe gebe es viele. "Zum einen wird die Wupper immer sauberer." Dadurch sinke der Stickstoffanteil, der Nährstoff für bestimmte Pflanzenarten sei. Zum anderen hätten sich neue Tiere wie der asiatische Graskarpfen angesiedelt, der sehr groß werde und in Sachen Wasserpflanzen ein wahrer Vielfraß sei. "Und dann kommt noch die Belastung durch Freizeitaktivitäten hinzu", sagt Boomers.

Dazu zählten neben den Kanuten die Fliegenfischer, die durchs Wasser wateten, die Rafting-Fahrer am Bielsteiner Kotten und die Badenden in Müngsten. "Insbesondere Kinder gehen da gerne ins Wasser und rupfen alles heraus, was ihnen in die Finger kommt." Lediglich unterhalb der Schwebefähre könne noch das Durchwachsene Laichkraut, das ein wichtiger Bestandteil des Flora-Fauna-Habitat-Gebiet sei, in Ruhe gedeihen.

"Einerseits ist es gut, dass die Menschen die Natur erfahren und sich dort erholen können. Das ist ganz wichtig für die Akzeptanz der Natur", sagt der Leiter der Biologischen Station. Andererseits sei die Region ein dicht besiedelter Raum mit relativ wenig Natur, so dass sehr viele Menschen den Fluss und seine Umgebung nutzen wollten.

So sieht es auch der Wupperverband. "Es ist schön, dass die Wupper immer sauberer wird und sich die Leute ihr wieder zuwenden. Dabei muss jedoch der Naturschutz beachtet werden", sagt Pressesprecherin Monika Ebers. Den Fluss zum Beispiel für alle Kanuten zu verbieten, hält sie nicht für den richtigen Weg. "Die meisten Sportler halten sich ja an die Regeln und beachten die Pegelstände."

Das bestätigt auch Jan Boomers. "Es sind eher die gewerblichen Kanu-Anbieter aus dem weiteren Umkreis, die ihre Fahrten trotz Niedrigwassers anbieten, um sich das Geschäft nicht entgehen zu lassen." Aber auch Spaziergänger, die sich nicht an die Regeln hielten, gefährdeten den Fluss. "Am Bielsteiner Kotten gibt es mittlerweile riesige Lagerplätze am Ufer", berichtet er. "Dort war eigentlich ein Kormoranschlafplatz. Aber die Tiere sind jetzt verschwunden."

Kanufahrten-Organisator Thomas Becker mahnt deshalb, die Kanuten nicht für alles verantwortlich zu machen. "Erst sollte man überprüfen, ob die Zahl der Paddler tatsächlich zugenommen hat. Und ob sich die Wupper auch in den Bereichen verschlechtert hat, wo keine Kanus unterwegs sind", sagt er. Der Sportler ärgert sich außerdem, mit den Floßfahrern in einen Topf geworfen zu werden. "Die machen an einem Tag so viel kaputt, wie wir Kanufahrer es in einem Jahr nicht schaffen, weil wir eine viel geringere Wassertiefe haben."

(RP)