Solingen: Nachwuchs gesucht: 35 Hausärzte älter als 63 Jahre

Solingen : Nachwuchs gesucht: 35 Hausärzte älter als 63 Jahre

EVA hält Hausärzten den Rücken frei. Daran glauben Dr. Stephan Kochen und die Verantwortlichen der AOK. Zu gleichen Teilen finanzieren die Krankenkasse und die Managementgesellschaft des Solinger Ärztenetzwerkes Solimed, dessen Ärztlicher Geschäftsführer Dr. Stephan Kochen ist, die "Entlastende Versorgungsassistentin" EVA.

In Solingen ist das die erfahrene Arzthelferin Anke Wilberscheid, die von niedergelassenen Ärzten angefordert werden kann, Hausbesuche übernimmt und so etwas Druck von den Schultern der Ärzte nimmt. "Mehr noch", sagt Stephan Kochen, "unsere Kollegin ist hautnah vor Ort, erkennt im Umfeld des Patienten sofort Missstände und kann sogar der Pflegeberatung der Stadt Hinweise geben, wenn etwa eine hilflose Seniorin nicht grundgesichert ist." Anke Wilberscheid wurde speziell für ihre Aufgabe ausgebildet, versorgt die Patienten Zuhause, organisiert die Pflege und bleibt im engen Kontakt mit dem Hausarzt, der sie beauftragt hat. Das ist eine der Lösungen, die Solimed entwickelt hat, um die allgemeinmedizinische Versorgung in Solingen dauerhaft zu sichern. Denn Dr. Stephan Kochen betrachtet die Entwicklung mit Sorge. Noch sei die Lage gut. "Ich glaube aber, dass das in fünf Jahren ganz anders sein wird."

Die niedergelassenen Mediziner werden immer älter und der Arbeitsdruck steigt. 35 altgediente Solinger Hausärzte werden in fünf Jahren deutlich über 68 Jahre alt sein und Nachfolger suchen. In der Klingenstadt arbeiten 97 Hausärzte. Von der Kassenärztlichen Vereinigung ist zu hören: Das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt bei etwa 56 Jahren, das der Fachärzte bei 53 Jahren. Die meisten Mediziner sind stark beansprucht, arbeiten bis zu 60 Stunden in der Woche.

Die Zahl der Arztbesuche steigt in Deutschland auch, weil die Menschen immer älter werden - und mit dem Alter steigen die chronischen Erkrankungen, die Patienten regelmäßig in die Praxen führen. Dem steigenden Bedarf gegenüber stehen auch in Solingen junge Mediziner, denen der Beruf Freude macht, die aber neben der Arbeit noch Freizeit und Kinder haben wollen. Kochen: "Was künftig von der neuen Medizinergeneration nicht mehr akzeptiert wird, ist die Selbstaufopferung früherer Hausarzt-Generationen." Lösungen müssen her. Kochen versucht mit Solimed eigene Wege zu finden. EVA könnte eine Lösung sein. Und er malt ein Szenario für den Hausarzt der Zukunft und kann sich Praxen mit mehreren Ärzten für jeden Stadtteil vorstellen, die bei Verwaltung und Abrechnung zentral unterstützt werden und sich so auf das konzentrieren können, weshalb sie Arzt geworden sind: um Patienten zu helfen.

(RP)
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