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Solingen: Nachtgeschichten

Solingen : Nachtgeschichten

Der Förderverein Industriemuseum zeigt in Zusammenarbeit mit dem Solinger Fotoforum „Nachtgeschichten“ in der „Loos’n Maschinn“. Beteiligt sind vier Fotografen mit unterschiedlichen Arbeiten zum Thema.

Als Ergänzung zur Ausstellung „nacht.aktiv“ des Rheinischen Industriemuseums in Merscheid zeigt das Solinger Fotoforum in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Industriemuseum in der Widderter „Loos’n Maschinn“ seit gestern die Fotoausstellung „Nachtgeschichten“. Während im Merscheider Museum sich die Ansichten aus dem Dunkel der Nacht, aber auf die 60er Jahre konzentrieren, werfen in der „Loos’n Maschinn“ vier Fotografen – Ingrid Kaiser, Peter Holtfreter, Uli Preuss und Dieter Korte – einen aktuellen Blick auf das Thema – allerdings nicht nur des nächtlichen Lebens in der Klingenstadt.

Was die Ausstellung an der Börsenstraße in Widdert besonders sehenswert macht, sind die grundverschiedenen Ansätze, mit der die vier Fotografen sich dem nächtlichen Geschehen genähert haben. Der Solinger Pressefotograf Uli Preuss etwa zeigt Plätze in nächtlicher Leere und kühlen Farben. Nur rote Streifen, die sich über die Straßen ziehen – etwa auf der Kreuzung am Schlagbaum – zeugen von vorbeifahrenden Autos.

Faszinierende Lichterspiel

Die Wagen sind auf der Aufnahme allerdings auf Grund der Langzeitbelichtung verschwunden, nur die langgezogenen Lichtspuren der Rücklichter sind noch zu sehen. Was insgesamt ein faszinierendes Lichterspiel ergibt.

Preuss bevorzugt in der Nacht aber auch ungewöhnliche Standorte und Blickwinkel. So gibt es eine Ansicht der nächtlichen Innenstadt – aufgenommen vom Dach des Turmhotels. „Das Bild ist Ergebnis eines klassischen Sommerabends, aufgenommen gegen 23 Uhr“, erzählt Preuss, der bei der Aufnahme unter Zeitdruck stand: „Ich musste mich beeilen, denn der Hausmeister musste weg.“

Auch Ingrid Kaiser nimmt den Betrachter mit auf einen Streifzug durch die Nacht. Nur hat sie sich für ihre Bilder aus Düsseldorf, Hilden und Solingen Orte ausgesucht, an denen auch nach Einbruch der Dunkelheit und in der Nacht viel Leben herrscht. Kaiser hat von außen durch Schaufenster etwa die Gäste von Burger-Restaurants fotografiert. Entstanden sind Bilder, die von der Stimmung her ein wenig an die Nachtbilder von Edward Hopper erinnern („Nighthawks“).

Wie Bühnenbilder einer Theaterinszenierung wirken dagegen die Aufnahmen von Dieter Korte. Der Fotograf zeigt nächtlich beleuchtete Bus- und Bahnhaltestellen in Köln. Wobei Dieter Korte beide Seiten zeigt. Einerseits das einsame Warten auf den Bus und andererseits den an der Haltstelle stehenden Bus mit seinen im Fahrzeug wie von Scheinwerfern beleuchteten Fahrgästen.

Fast aus dem Rahmen fallen im Kontext der Ausstellung die Bilder von Peter Holtfreter. Seine Fotografien – etwa des hinter einer Platane aufgehenden Mondes – wirken wie Standbilder aus surrealen Spielfilmen.

Verstärkt wird dieser Eindruck von Geschichten auch durch die Gegenüberstellung von nur auf den ersten Blick nicht zusammenpassenden Einzelaufnahmen.

(RP)