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Solingen: Nachtexpress teils ein Flopp

Solingen : Nachtexpress teils ein Flopp

Die Einführung des Nachtexpresses im Herbst 2007 hat den ÖPNV unattraktiv gemacht. Schichtarbeiter kommen schlecht zur Arbeit. Kinder müssen mit dem Auto abgeholt werden, die Kirchen sind leerer. Jetzt wird nachgebessert.

Die Einführung des Nachtexpresses zum 8. Oktober 2007 und damit die Aufteilung in ein Tagnetz mit höherer Taktdichte und ein Nachtnetz mit deutlich ausgedünntem Fahrplan war die größte Fahrplanumstellung in Solingen seit 1971. Nach mannigfaltigen Protesten aus der Bevölkerung wurden einige Linienkürzungen zwar schnell wieder rückgängig gemacht. Doch im Gros blieben die Einschnitte: Seitdem beginnt abends um 21.50 Uhr der Nachtfahrplan, der zudem sowohl an den Samstagen morgens bis 8.50 Uhr und an den Sonntagen bis 9.50 Uhr im Einsatz ist.

Nachtexpress künftig ab 23 Uhr?

Vier Jahre später könnte nun bald ein Teil der Einschnitte wieder rückgängig gemacht werden (wir berichteten Samstag), indem etwa die Nachtlinien erst um 23 Uhr ihren Dienst aufnehmen und morgens früher als derzeit enden, damit derjenige, der um 6 Uhr auf der Schicht sein muss, dieses schafft. Zudem sollen Anschlüsse besser aufeinander abgestimmt werden, und große Gewerbegebiete sowohl in Solingen als auch in Haan angeschlossen werden. Die Grundlagen der in einem Arbeitskreis des Fahrgastbeirates erarbeiteten Vorschläge resultieren aus einer ÖPNV-Umfrage aus dem Sommer. Dabei bekam der Solinger Busverkehr durch die Bank weg schlechte Noten in den Bereichen Angebotsqualität abends und an den Wochenenden.

Das sieht auch der Grünen-Politiker Manfred Krause, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender bei den Stadtwerken, so: "Diese Umstellung war nicht in allen Dingen vernünftig,", verweist er im Gespräch mit unserer Zeitung auf mehrere "Defizite" im System, etwa dass es nicht kompatibel mit dem des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr sei. "Zudem kenne ich keine Stadt, in der der Nachtexpress an den Samstagen und Sonntagen bis in den späteren Morgen fährt", unterstreicht Krause, der selbstkritisch befindet, dass es die Politik bislang versäumt habe, gegenzusteuern.

Beirat tagt am 15. November

Am 15. November in der nächsten Sitzung des Fahrgastbeirates könnten die Weichen dafür gestellt werden, Fahrplan-Ungerechtigkeiten wieder auszumerzen. Der zuständige politische Verkehrsausschuss beschäftigt sich am 3. Dezember mit den Vorschlägen, die in den neuen, längst überfälligen Nahverkehrsplan einfließen sollen. Da die Stadt letztlich die SWS-Verkehrsbetriebe mit der Umsetzung beauftragt, liegt die Gestaltung des Fahrplanes beim Stadtdienst Mobilität sowie in den Händen der Politik. Für Krause steht eines jetzt schon fest: "Wenn es intelligente Lösungen gibt, die zugleich kostenneutral sind, dann wird sich die Politik davor nicht verschließen können und wollen", sagt Krause, der dabei aber nicht aus den Augen lassen will, dass das Defizit der Verkehrsbetriebe noch einmal ordentlich gewachsen ist: "Wir stecken in finanziellen Zwängen." Alleine die Umsetzung des Sicherheitskonzeptes in den Nachtlinien koste um die 400 000 Euro jährlich. Zudem habe die Ratsmehrheit beschlossen, durch ein besseres Marketing, mehr Fahrgäste zu akquirieren. Die Grünen setzen auf mehr Bürgerbeteiligung. Denn diese seien es, die die Busse nutzten oder eben nicht, verdeutlicht der Fraktionssprecher der Grünen. Seit Einführung des Nachtexpresses stieg so mancher Fahrgast aufs eigene Auto um.

Manfred Krause kehrte gestern mit einer kleinen Solinger Delegation aus der französischen Partnerstadt Chalon-sur-Saône in die Klingenstadt zurück und zeigte sich entzückt über die Einführung einer kostenfreien City-Linie in der Stadt in Burgund: "Chalon-sur-Saône will sich rechtzeitig auf die Zeit nach dem Erdöl einstellen und dafür Schwerpunkte im ÖPNV sowie beim Radfahren setzen."

(RP)