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Nach Unfall: Verfahren gegen Solinger wird eingestellt

Berufung am Landgericht : Nach Unfall: Verfahren gegen Solinger wird eingestellt

Nach einem Verkehrsunfall im vergangenen Sommer wurde ein 31-jähriger Solinger vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung zunächst verurteilt.

Der eine war mit einem getunten BMW unterwegs. Der andere mit einer geliehenen „Harley“, um die Freundin in Monheim zu einer Motorradtour abzuholen. Beide begegneten sich am Abend des 23. Juli 2020 auf dem Balkhauser Weg. Es dämmerte schon, als der BMW-Fahrer in Höhe der Einmündung zum Hästener Weg zum Überholvorgang angesetzte. Was dann geschah – dazu gibt es vor dem Landgericht in Wuppertal unterschiedliche Wahrnehmungen. Nur eines ist klar: Der BMW hatte noch versucht, dem Gegenverkehr auszuweichen. Dabei kam der Wagen von der Fahrbahn ab – das Auto wurde in die Böschung geschleudert. Derweil hatte der Motorradfahrer seine Harley zum Stehen gebracht, um nach den BMW-Insassen zu schauen. Die kamen ihm entgegen und waren nur leicht verletzt. Die herbeigeeilten Rettungssanitäter brachten den 31-jährigen Solinger und dessen Freundin ins Krankenhaus, von dort waren beide noch am gleichen Abend entlassen worden.

Im Juni 2021 waren sich die Unfallbeteiligten beim Amtsgericht erneut begegnet. Obwohl die Freundin des BMW-Fahrers betont hatte, kein Interesse an der Strafverfolgung zu haben, war die Staatsanwaltschaft tätig geworden. Wohl auch, weil es beim Angeklagten eine lange Vorstrafenliste mit etlichen Verurteilungen bis hin zu gegen ihn verhängten Haftstrafen gibt – auch wegen diverser Verkehrsdelikte. Der Solinger war wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt worden, dagegen war er in Berufung gegangen.

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Die wurde nun am Landgericht verhandelt, die Anwälte des Angeklagten forderten dessen Freispruch. Ihr Mandant habe beim Überholvorgang beschleunigt und daher in dieser Situation angemessen reagiert, um den neben ihm abbremsenden Motorradfahrer nicht zu gefährden. Das sah auch der Harley-Fahrer so – der dem BMW-Fahrer jedoch einen anderen Vorwurf machte: „Er hätte mich an dieser Stelle nicht derart schnell überholen sollen.“ Der Fahrer selbst behauptet, mit 55 km/h unterwegs gewesen zu sein und während des Überholvorgangs auf etwa 80 Kilometer pro Stunde beschleunigt zu haben. Zuvor habe die Harley beschleunigt, dann habe der Motorradfahrer gebremst. Hätte er selbst das auch getan, hätte er die Harley „abgeräumt“.

Er selbst halte sich für einen umsichtigen Verkehrsteilnehmer, mit seinem BMW sei er häufiger am Nürburgring auf der Nordschleife unterwegs. „Ich bin ein bewusster Fahrer, der viel wahrnimmt“, sagt der Solinger. Das nun erneut sämtliche Vorverurteilungen aufs Tapet kamen, führte zu einem Gefühlsausbruch des 31-Jährigen: Die Vorstrafe lägen lange zurück – er wolle nicht immer daran gemessen werden. Die Chance hat er nun bekommen: Das Verfahren wurde eingestellt. Eine Geldbuße von 2500 Euro muss der Solinger dennoch zahlen, dazu schickte ihn die Kammer noch zum Verkehrspsychologen.