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Solingen: Mythos "Exit" ist geblieben

Solingen : Mythos "Exit" ist geblieben

Café- und Gastronomiebetrieb im "Haus Müngsten" sind längst angelaufen. Doch die Erinnerung an die alte Rockdisco "Exit" ist geblieben. Auch beim einstigen Inhaber Wolfgang Hilbrich: "Das war ein angesagter Laden."

Wolfgang Hilbrich ist schon lange nicht mehr hier gewesen – in diesem engen Tal der Wupper, das heute jährlich 300 000 Besucher anlockt. Ratternd rollt der Müngstener im Schneckentempo über die Brücke, die sich wie ein weiter Bogen über das neue Restaurant-Café spannt. "Viel Rost" – so entgegnet der 53-jährige Kaufmann sogleich beim Blick in den Brückenpark mit dem "Haus Müngsten" der Lebenshilfe. "Das sieht jetzt alles anders aus."

Auch er stört sich – wie so viele – an der angerosteten Corten-Stahl-Fassade des Neubaus mit viel Glas. Sein Fall ist das jedenfalls nicht. Überhaupt ist es für ihn nicht mehr mit früher zu vergleichen. "Es wirkt aufgeräumt, sehr steril. Der Charme ist weg."

Bis zu 600 Gäste an einem Abend

Früher, als Wolfgang Hilbrich an dieser Stelle noch die Rockdisco "Exit" in dem fast 100 Jahre alten Bergischen Fachwerkhaus führte, erlebte er eine ganz andere Atmosphäre. "Im Bergischen Land war das ein angesagter Laden", erinnert sich der Discobetreiber und spricht von bis zu 600 Gästen, die an einem einzigen Samstagabend zum Tanzen in diese abgelegene Ecke zwischen Solingen und Remscheid kamen.

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Als 29-Jähriger ist er 1986 eingestiegen, hat das "Riverside" damals von Erich Schellander übernommen und zur Rockdisco gemacht. Vor drei Jahren verkaufte er die Immobilie schließlich an die Lebenshilfe, nachdem das Haus vorher lange leer gestanden hatte. Vor fünf Jahren ist die letzte offizielle Party gefeiert worden.

Das ist schon eine ganze Weile her. Doch der Mythos der Rockdisco, die zur heißen Zeit in den 90er Jahren sogar an sechs Tagen in der Woche geöffnet hatte, lebt bis heute weiter.

Die nächste ,Exit'-Erinnerungsparty wird am Samstag, 31. Juli, gefeiert. Allerdings nicht in Müngsten, sondern ab 21 Uhr im Ohligser Getaway. Die Musik von einst und die Leute von damals treffen wieder zusammen. DJ Uwe und DJ Vossi sind dabei; und auch "Vituld", die gute Seele des alten "Exit", ist wieder zu erleben.

Gleich links befand sich damals im Inneren des "Exit" das Rock-Café. Geradeaus ging es durch die Pendeltür in den großen Saal mit der gefliesten Tanzfläche. Viele Freundschaften wurden hier geschlossen – und sogar Lebenspartnerschaften, erzählt Hilbrich.

Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte man das alte Herrenhaus im Schatten der Müngstener Brücke stehenlassen sollen. Es habe einfach besser in die Gegend gepasst, sagt er. Das marode Gemäuer war aber offenbar nicht mehr zu retten gewesen. Vor eineinhalb Jahren wurde das Fachwerkhaus abgerissen, um Platz fürs neue "Haus Müngsten" zu schaffen.

Discobetreiber Wolfgang Hilbrich erinnert sich gerne an die alte Zeit. Zurückholen will der 53-Jährige sie in diesem engen Tal unter der hohen Eisenbahnbrücke jedoch nicht. "Das ist vorbei." Hilbrich gibt sich keinen Illusionen hin. "Das ,Exit' kann man nicht wiederholen."

(RP)