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Solingen: Mutter hofft auf Freilassung

Solingen : Mutter hofft auf Freilassung

Für Marlis B., die Mutter des Terrorverdächtigen Robert B., ist heute ein wichtiger Tag. In London wird entschieden, ob ihr Sohn und sein Freund aus der U-Haft entlassen werden. Viel Hoffnung hat sie nicht.

Welche Religion ihr Sohn einmal annimmt, das wollte Marlis B. ihm selbst überlassen. Zu negativ waren die eigenen Erfahrungen der heute 57-jährigen Dreherin damals, als sie noch in der DDR lebte. "Mein Vater war ein fanatischer Evangelist und hat uns Kinder immer gezwungen, in die Kirche zu gehen", erzählt Marlis B. in ihrer Solinger Wohnung.

 Burkhard Benecken vertritt derzeit die Interessen von Marlis B. und würde auch den Sohn verteidigen.
Burkhard Benecken vertritt derzeit die Interessen von Marlis B. und würde auch den Sohn verteidigen. Foto: privat

Einen solchen Zwang wollte sie ihrem 1987 geborenen Sohn Robert ersparen, ließ ihn nicht taufen. Dass er als Erwachsener mit dem Islam sympathisierte, sich schließlich dazu bekannte und den Salafisten anschloss, konnte sie damals nicht ahnen.

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Ein Foto: privat

Dass etwas nicht stimmte mit ihrem Sohn, habe sie aber gemerkt, als er von einem Aufenthalt aus Ägypten zurückkehrte, Arabisch lernte und sich immer öfter in einer Solinger Moschee aufhielt. "Eine Mutter spürt so etwas", sagt die 57-Jährige. Sie wartet heute nur auf eines: den Anruf des Rechtsanwaltes Burkhard Benecken, der ihre Interessen vertritt und auch den Sohn verteidigen würde, wenn dieser ihm das Mandat erteilt.

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Englische Pflichtverteidigerin

Doch bis jetzt hatte der bekannte Strafverteidiger aus Marl noch keinen persönlichen Kontakt zu Robert B., dem in London Asifa Butt als Pflichtverteidigerin beigeordnet wurde. Von ihr wird Benecken heute auch erfahren, wie es mit Robert B. und Christian David E. weitergeht. Und natürlich ruft er dann als Erstes Marlis B. in Solingen an. Dass die beiden aus der Untersuchungshaft freikommen, hält Burkhard Benecken indes für äußerst unwahrscheinlich.

"Alles andere als eine Haftfortdauer wäre eine Überraschung", sagt der 35-Jährige. Danach könne es sechs bis acht Monate dauern, bis den beiden Solingern, die am 15. Juli bei ihrer Einreise nach London Pläne zum Bombenbau sowie das Buch "Die 39 Wege zum Dschihad" im Gepäck gehabt haben sollen, der Prozess gemacht wird.

Burkhard Benecken hat sich bislang vergeblich um eine Besuchserlaubnis bemüht. Er hat aber Robert B. über Asifa Butt wissen lassen, dass er als Verteidiger zur Verfügung steht. So wird er heute auch nicht, wie ursprünglich vorgesehen, nach London reisen.

Marlis B. hat die Hoffnung, ihren Sohn bald wieder zu sehen, nicht aufgegeben. Sie glaubt allerdings auch nicht, dass ihr Anwalt heute eine gute Nachricht für sie hat. Doch das ist für sie kein Grund, zu verzweifeln. "Ich hatte seit meinem 13. Lebensjahr mit der Stasi zu tun, da kann mir heute so schnell nichts mehr Angst machen." Was sich Marlis B. für ihren Sohn Robert von ganzem Herzen wünscht, ist, dass er wieder zur Besinnung kommt. Denn so, wie er jetzt denke, könne das nur das Ergebnis einer Gehirnwäsche sein.

(RP/rl)