Solingen: Muslime planen Moschee im Birkerbad

Solingen : Muslime planen Moschee im Birkerbad

Die türkisch-muslimische Ditib-Gemeinde will das alte Hallenbad übernehmen. Eine Besichtigung gab es schon. Ziel ist es, eine Moschee mit Kulturzentrum einzurichten. Darüber hinaus gibt es weitere Interessenten für das Gebäude.

Eine erste Besichtigung hat es bereits gegeben — und dabei hinterließ der denkmalgeschützte Bau offenbar einen sehr guten Eindruck. Die muslimische Ditib-Gemeinde will in das Birkerbad einziehen. Das bestätigte gestern ein Sprecher der Gemeinde unserer Zeitung. "Wir haben Interesse daran, im Birkerbad eine Moschee und ein Kulturzentrum einzurichten", sagte der Ditib-Sprecher.

Bislang hat die türkisch-muslimische Gemeinde ihren Sitz an der Kasernenstraße in der Innenstadt. Aber Größe und Zahl der Räume dort genügen schon länger nicht mehr den Bedürfnissen der Gemeinde, die zu den größten muslimischen Vereinigungen in Solingen gehört. Vor allem der Platz an der Kasernenstraße ist beengt.

Solche Probleme hätte Ditib im Birkerbad nicht. Das Grundstück ist insgesamt 6280 Quadratmeter groß. Dazu gehören auch Teile des Parks am Birkenweiher sowie der Parkplatz an der Ecke Birkerstraße / Werwolf. Dieser wäre für die muslimische Gemeinde vor allem beim Freitagsgebet vor den Wochenenden ideal.

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Dazu kommt, dass bis Ende kommenden Jahres noch Fördermittel des Landes in Höhe von drei Millionen Euro zur Verfügung stehen. Und eine Bedingung für die Auszahlung dieses Geldes würde Ditib erfüllen: Die Zuschüsse dürfen nur in Projekte fließen, die nicht an Gewinnen orientiert sind.

Das Birkerbad ist seit Sommer 2011 geschlossen. Zuvor waren Übernahmeverhandlungen zwischen der Stadt und der Lebenshilfe gescheitert. Die Organisation hatte vorgehabt, ein Wellness-Projekt umzusetzen, war aber später von diesen Plänen zurückgetreten.

Da die Stadt selbst kein Geld hat, um das älteste Bad Solingens zu erhalten, steckt sie nun nur noch das Notwendigste in den Bau. So heißt es in einem Verkaufsexposé zum Birkerbad, das Gebäude, Baujahr 1903, werde nur noch soweit unterhalten, "dass größere Schäden unterbleiben".

Für Ronald Krause-Walter vom städtischen Liegenschaftsmanagement sind das Birkerbad und auch das ehemalige Hallenbad Sauerbreystraße in Ohligs dennoch besondere Immobilien. Für beide Objekte werde dementsprechend ein spezieller Käufer gesucht, sagte Krause-Walter gestern mit Blick auf die Vermarktung der Bäder. Die beiden geschlossenen Hallenbäder, die die Stadt verkaufen möchte, stellten gewiss besondere Anforderungen an Investoren, und dies nicht nur wegen des bestehenden Denkmalschutzes.

Interesse ist aber vorhanden. Gut 1000 Mal wurde das seit zweit Monaten im Internet präsentierte Exposé fürs Birkerbad bereits aufgerufen. Neben Ditib interessiert sich auch eine freie evangelische Gemeinde aus Solingen für das Gebäude gegenüber der Eissporthalle. Ein Besichtigungstermin ist ebenfalls bereits gelaufen.

Dem Vernehmen nach überlegt die Gemeinde, das Bad für soziale Projekte für Jugendliche und junge Erwachsene zu nutzen. Auch ein Ausbau als Mehrgenerationenhaus wäre möglich.

Dagegen wird das Markthallenkonzept des Projektentwicklers André Kleinpoppen nicht verwirklicht. Ergebnis einer Prüfung: Die Ideen lassen sich an der Birkerstraße wirtschaftlich nicht umsetzen. Der Projektentwickler ist als Käufer damit aus dem Rennen. Doch in diesen Tagen besichtigt schon ein weiterer Interessent das Bad.

(RP/rl)