Solingen: Museumskonzert: Zum Schluss gab es Modern Jazz

Solingen : Museumskonzert: Zum Schluss gab es Modern Jazz

Mit zehn entdeckt er die Impressionisten, experimentiert mit Klängen, und von seinem Vater, dem WDR-Big-Band-Posaunisten Ludwig Nuss und dessen Bruder, einem Pianisten, wird er zum Jazz gebracht. Heute ist Benyamin Nuss einer der inspiriertesten jungen Musiker, die wir haben. Technisch 1 a, voller Elan, den Plattenvertrag längst in der Tasche, geht er seinen Weg. Dass er diesen erfrischend untraditionell beschreitet, durften die Besucher beim Museumskonzert im Kunstmuseum erleben. Mit dem Programm "Exotica - eine musikalische Weltreise" holte Nuss selten gespielte Komponisten aus ihrem Schattendasein. Benyamin Nuss legte eine enorme Kraft in die Musik, von der er überzeugt ist. Entführte den Zuhörer mit Debussys nuanciert gespielten "Estampes" in eine Traumwelt. Hauchzart zu Beginn, dann mit satten auf- und abschwellenden Crescendos, schließlich im Nichts verhallend die "Pagodes". In den "Jardins" entfachte er die Urgewalt eines magischen Gewitters voller erhabener Schönheit. Wie sich die leise plätschernden Triolen zum Orkan steigerten und sich dann alles wunderschön aufklarte, das war herrlich inszeniert. Doch H. Villa-Lobos' "Impressoes seresteiras" lagen Nuss noch authentischer in der Hand. Das elegische Stück mit seinen ausladenden Phrasierungsbögen und der elegant akzentuierten Rhythmik ließ ihn schwelgen, ohne ins Seichte abzuzdriften. Mit lockerer Hand brachte er diese lyrische Musik atmend zum Klingen.

Bei Alberto Ginasteras argentinischen Tänzen verwandelte er den Flügel in ein Schlaginstrument von Bartok'scher Wucht. Rasend schnell, präzis und aggressiv meißelte er den Toccata-Charakter dieser Stücke heraus, fand im zweiten Tanz einen direkten Draht zu Ginasteras schroffer Sanglichkeit und legte die Nummer 3 so fulminant hin, dass er, begleitet von Bravorufen, in die Pause gehen konnte.

Im zweiten Teil erklangen auch Werke aus seiner eigenen Feder. In fünf Preludes kostete Nuss seine Liebe zum Klang, zum raffinierten Spiel mit gleichermaßen modernen wie ästhetischen Harmonien aus. Bemerkenswert auch seine "Elegie für Fukushima" - ein in düstere Farben getauchter Klagegesang. Mit dem dreisätzigen "Sanzui" kam ein an Chopin erinnerndes Opus des in München geborenen Japaners Masashi Hamauzu zu Gehör, und mit den "Clouds" des US-Impressionisten Charles Griffes konnte der sensible Interpret erneut mit Tönen malen. Zum Schluss servierte er ein bekanntes Schmankerl. Balakirews "Islamey" mit seinen halsbrecherischen Grifftechniken spielte er fehlerfrei und kostete auch die sanglichen Momente mit Genuss aus.

Als Zugabe gab es auch nicht das Übliche. Vater Ludwig kam mit Posaune auf die Bühne, und mit "Stella By Starlight" gab es rund zehn Minuten Modern-Jazz-Duett vom Feinsten.

(RP)
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