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Museum Plagiarius in Solingen: Den Fälschungen auf der Spur

Museum Plagiarius in Solingen : Den Fälschungen auf der Spur

Eine Mitmach-Aktion im Museum ermöglicht Besuchern, selbst herauszufinden, bei welchen Produkten es sich um Fälschungen handelt.

„Russisches Roulette auf zwei Rädern“, heißt es auf einem Schild neben den zwei ausgestellten Bikes im Museum Plagiarius. Denn: Bei dem rechten Modell handelt es sich um ein Plagiat. Und an diesem sind nicht nur die Blinker defekt, auch die Nähte am Rahmen sind schlecht verschweißt und die Materialien des Fußhebels für die Schaltung und des Benzinhahns minderwertig.

Das Geschäft mit Plagiaten boomt schon seit vielen Jahren. Dadurch entstehe den Herstellern und Designern der Originalprodukte jährlich ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden, und der Verbraucher wird mitunter lebensgefährlichen Risiken ausgesetzt. Um dies zu verhindern wurde vom Industrie-Designer Rido Busse im Jahr 1977 ein Negativpreis ins Leben gerufen, der bis heute jährlich verliehen wird: der Plagiarius. Symbolisch hierfür – ein handelsüblicher, schwarz lackierter Gartenzwerg mit einer goldenen Nase.

Beim Rundgang durch das zweistöckige Museum im Solinger Südpark werden die Plagiarius-Preisträger von 1977 bis heute neben ihren Originalprodukten ausgestellt. Dabei immer links das Original, rechts das Plagiat. Oft kann alleine beim Betrachten schon die minderwertige Qualität des Produktes erkannt werden. Das Ziel der Ausstellung ist es, die Öffentlichkeit „über Ausmaß, Schäden und Gefahren von Plagiaten und Fälschungen aufzuklären“, heißt es auf der Internetseite des Museums. Mehr als 350 unterschiedlichste Produkte und ihre Fälschungen können dort betrachtet werden, allesamt zusammengetragen von der Aktion Plagiarius e.V.

   Der Tisch der neuen Mitmach-Aktion: Hier muss oft ganz genau hingesehen werden. Denn beim Herausfinden, bei welchem Produkt es sich um ein Original handelt, kommt es auf sehr kleine Details an.    Fotos: Röhder
Der Tisch der neuen Mitmach-Aktion: Hier muss oft ganz genau hingesehen werden. Denn beim Herausfinden, bei welchem Produkt es sich um ein Original handelt, kommt es auf sehr kleine Details an. Fotos: Röhder Foto: Rosa Röhder
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Unterschieden wird auf den beistehenden Schildern zwischen einem Plagiat und einer Fälschung. Während es sich bei einer Fälschung um die exakte Kopie eines Produktes handelt, bei der sogar der Markenname übernommen wird, kennzeichne ein Plagiat sich dadurch, dass auch hier das Produkt kopiert wird, jedoch eine Abänderung des Markennamens erfolgt, oft jedoch lediglich durch das Verändern eines einzelnen Buchstabens.

Zu sehen ist dies im Museum unter anderem am Beispiel des Brausensets von der Marke „Grohe“. Das Plagiat weist sowohl an der Duschbrause selber, als auch an der Verpackung erhebliche Ähnlichkeit mit dem Originalprodukt auf. Nicht zuletzt gilt dies für den Markennamen des chinesischen Herstellers – „Grohi“. Auch Produkte der Marke Solingen finden sich in den Vitrinen. Einige der Fälschungen tragen den exakten Namen und das gleiche Logo, obwohl der Markenname in den meisten Ländern eingetragen und geschützt ist.

Neben der Hauptausstellung hat das Museum seit Kurzem eine neue Mitmachaktion, bei der Besucher selbst erraten können, ob es sich um ein Original oder um eine Fälschung handelt. Dazu sind sieben verschiedene Originalprodukte jeweils mit ihrer Kopie auf einem Tisch ausgestellt und mit einem Buchstaben versehen. Die Besucher können nun durch Betrachten, Anfassen und Vergleichen herausfinden, welches Produkt das Original ist. Wenn alles richtig eingeschätzt wurde, ergeben die Buchstaben ein Lösungswort. „Es ist ein bisschen wie früher mit den Suchbildern, frei nach dem Motto „Finde den Fehler““, so das Fazit erster Tester.

Beim Versuch, das Eastpak-Original unter zwei Rucksäcken zu erkennen, macht sich neben kleinen farblichen Abweichungen auch beim Träger ein Unterschied bemerkbar. So fühlt sich die Gummierung am Plagiat zwar beim ersten Anfassen weicher an, ist aber weniger robust und beim Tragen somit auf Dauer unbequemer. Bei genauerer Betrachtung stechen zudem die schlechte Verarbeitung der Nähte und Reißverschlüsse heraus. Wem zudem das Originallogo der Firma bekannt ist, dem sollte auffallen, dass unter dem Markennamen normalerweise nicht „Made in U.S.A“ steht. Trotz allem ist das Plagiat dem Originalrucksack sehr ähnlich. Ohne den direkten Vergleich würden Kunden diese Unterschiede beim Einkauf womöglich kaum auffallen und sich erst mit der Zeit an der Langlebigkeit bemerkbar machen.