1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Müngstener Brücke und Schloss Burg​: Auferstehung der Solinger Riesen

Müngstener Brücke und Schloss Burg : Die Auferstehung zweier Riesen im Duett

Die Müngstener Brücke und Schloss Burg in Solingen sind Nachbarn. Und auch sonst haben die Denkmäler an der Wupper manches gemeinsam.

Die beiden wohl berühmtesten Bauwerke des Bergischen Landes liegen gerade einmal etwas mehr als fünf Kilometer voneinander entfernt – und geübte Radfahrer benötigen für die Strecke entlang der Wupper nur ein paar Minuten. Wobei es durchaus zu empfehlen ist, sich Zeit zu nehmen. Denn immerhin führt der Müngstener Brückenweg zwischen der Müngstener Brücke und Schloss Burg durch eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden der Region.

Jedenfalls ist es heute fast nicht mehr zu glauben, dass es um die zwei bekannten Baudenkmäler vor gar nicht einmal so langer Zeit noch ziemlich schlecht bestellt war. Jahrzehntelang waren die beiden markanten Bauwerke nicht mehr saniert worden. Es bestand jeweils Instandsetzungsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. Und bei der Deutschen Bahn AG als Eigentümerin der Müngstener Brücke lagen sogar schon Pläne in der Schublade, nach denen der in die Jahre gekommene Stahlriese abgerissen und durch einen Beton-Neubau ersetzt werden sollte.

Aber das ist inzwischen genauso Geschichte wie der schlechte Zustand von Schloss Burg. Beide bergische Wahrzeichen wurden in den zurückliegenden Jahren umfassend restauriert. So steckte die Bahn seit dem Jahr 2014 rund 30 Millionen Euro in den Erhalt der Müngstener Brücke. Und auch in Burg tut sich längst etwas. Bis zum Jahr 2025 sollen insgesamt ungefähr 32 Millionen Euro aus Landes- sowie aus Bundesmitteln nach Schloss Burg fließen, um das historische Ensemble zu sanieren.

  • Fotos : Die Diederichstempel in Burg und Müngsten
  • Bilder : Das ist der Müngstener Brückensteig
  • 25-Tonnen-Koloss von Remscheid nach Solingen : Teil der Müngstener Brücke wird zum Denkmal

Tatsächlich datieren die Anfänge von Schloss Burg aus dem 12. Jahrhundert, als Graf Adolf II. von Berg auf den Überresten einer älteren Anlage eine neue Burg errichten ließ. Was folgte, war eine wechselvolle Geschichte, die im 17. Jahrhundert mit dem Verfall der Anlage endete, ehe Ende des 19. Jahrhunderts der seinerzeit gegründete Schlossbauverein mit dem Wiederaufbau begann.

Zwar gab es auch danach immer wieder Rückschläge wie zum Beispiel den Einsturz des neuerbauten Bergfrieds im Jahr 1902 sowie einen verheerenden Brand im Jahr 1920. Doch all dies vermochte die Entwicklung von Schloss Burg zur wichtigsten touristischen „Destination“ im Bergischen Land nicht aufzuhalten. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Schloss zu einem beliebten Ausflugsziel, von dem der ganze Ort Burg in den 1950er bis 1980er Jahren gut lebte.

Derweil zog die Müngstener Brücke ebenfalls eine immer größere Zahl von Besuchern an. Erbaut in den Jahren zwischen 1894 und 1897 erfreute sich das Viadukt aus Stahl schnell einer wachsenden Beliebtheit. So schaute im Jahr 1899 zum Beispiel kein Geringerer als Kaiser Wilhelm II. im Müngsten vorbei, dessen Großvater Kaiser Wilhelm I. bis zum Ende des Ersten Weltkrieges sogar Namenspatron der Müngstener Brücke war.

Gleichzeitig erlangte der Stahlriese, der das Tal der Wupper zwischen Solingen und Remscheid auf einer Breite von 465 Metern und in einer Höhe von 107 Metern überspannt, aber auch eine immense ökonomische Bedeutung. Denn durch die Brücke hatte die Region mit ihrer vielfältigen Industrie einen erheblich schnelleren Zugang als zuvor zu den Absatzmärkten in aller Welt bekommen, so dass das Bergische Land mit Solingen und Remscheid nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch einmal einen wirtschaftlichen Schritt nach vorne tun konnte.

Allerdings war in dieser Entwicklung in gewisser Weise auch schon der zwischenzeitliche Niedergang der beiden bergischen Riesen angelegt. Denn nach und nach zog es die Menschen, die nun fast alle über ein eigenes Auto verfügten, in fernere Gefilde. Was wiederum zur Folge hatte, dass sowohl Schloss Burg, als auch die Müngstener Brücke allmählich in einen ökonomischen und baulichen Dornröschenschlaf verfielen. In Burg schien zunehmend die Zeit in den 1950er Jahren stehen geblieben zu sein, während über die Müngstener Brücke vornehmlich nur noch Regionalzüge polterten.

Erst in den vergangenen zehn Jahren erinnerte sich die Region ihrer beiden architektonischen Schätze. Für Schloss Burg wurde nicht allein die Renovierung beschlossen, sondern überdies ein neues Konzept für die Zukunft erarbeitet. Und als die Bahn damit drohte, die Müngstener Brücke abzureißen, regte sich endlich ein so großer Widerstand, dass solche Pläne fallen gelassen wurden. Zuvor waren in den Jahren nach der Jahrtausendwende unter der Brücke bereits der Brückenpark (2006) und Haus Müngsten (2009) geschaffen worden.

Seit kurzem ist die Brücke nun saniert. Und nach einem ersten, noch vergeblichen Anlauf stehen die Chancen mittlerweile gar nicht mal schlecht, dass die Müngstener Brücke in einigen Jahren – zusammen mit ähnlichen Brücken in anderen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich und Portugal – zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wird.

2025 könnte es soweit sein. Wobei im selben Jahr wohl auch die Sanierung von Schloss Burg beendet sein dürfte. Die sprichwörtliche Auferstehung der benachbarten Riesen-Denkmäler wäre dann sozusagen im Duett zu einem Abschluss gekommen.