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Müngstener Brücke: Six Bridges Rally in Solingen gestartet

„Six Bridges Rally“ in Solingen gestartet : In 16 Tagen durch Europa

Unter der Müngstener Brücke - der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands - startete die „Six Bridges Rally“. Deren Teilnehmer fahren fünf weitere Großbogenbrücken ab, um die Bewerbung zum Weltkulturerbe voranzubringen – und um für soziale Zwecke Geld zu sammeln.

Gegen 9 Uhr hatten sich die ersten Fahrer in ihren mit Sponsorenlogos beklebten Autos im Schatten der Müngstener Brücke eingefunden – manch einer davon mit müden Augen als Indiz für eine eher unruhige Nacht: Denn, das gaben mehrere der Rallye-Teilnehmer freimütig zu, ein bisschen Aufregung machte sich schon breit – ganz unabhängig von der Lebenserfahrung: „Eine gewisse Anspannung ist da“, gestand Milli Grah. Die 81-Jährige nimmt mit Ehemann Klaus (87) an der „Six Bridges Rally“ durch Europa teil. Damit sind sie die ältesten Starter im Teilnehmerfeld, das in den nächsten 16 Tagen 6000 Kilometer in neun Ländern hinter sich bringen soll.

Lange überlegen musste das Ehepaar aber nicht: „Wir haben früher Rallyes organisiert. Und jetzt wollen wir selber gerne mitmachen“, sagte Milli Grah. Eines der Ziele hätten sie bereits in der Vergangenheit auf einer Reise besucht: „In Porto waren wir schon.“ Denn, auch wenn die Starter der Rallye die genauen Routen erst am Samstagmorgen kurz vor dem Start im Brückenpark erfuhren, so waren die Eckpunkte natürlich bekannt: Sechs Großbogenbrücken – wenn man die Müngstener Brücke mitzählt – in Deutschland, Frankreich und Portugal liegen an der Strecke der Rundfahrt. Sie vereint das Ziel, gemeinsam den Status des UNESCO-Weltkulturerbes zu erlangen. Dieses Anliegen zu bekräftigen und stärker in die europäische Öffentlichkeit zu tragen, hatte die Idee für die Rallye in den Köpfen der Organisatoren Timm Kronenberg und Marc Baehr reifen lassen: Sie planten die Route, erkundeten sie selbst – und trommelten die Teilnehmer zusammen.

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Am Samstag war schließlich der große Tag gekommen: Gut drei Dutzend Old- und Youngtimer standen in der Sonne blitzend und blinkend nebeneinander vor Haus Müngsten, umringt von ihren Fahrern, deren Familien und anderen Besuchern. Die Einen waren gekommen, um ihren Lieben noch einmal bei der Abfahrt durch den blauen Torbogen am Start zuzuwinken – andere, um die Vielfalt an herausgeputzten Fahrzeugen in Augenschein zu nehmen und ein paar Fotos zu schießen.

Autos aus fünf Jahrzehnten, zwischen dem Ursprungs-Baujahr 1950 und 2000, machten sich gegen 11 Uhr auf den Weg – darunter auch zwei Gäste, die erkennbar aus dem Norden kamen: Als Elche verkleidet gingen Stephan Schröter und Anne Grählert aus Hamburg in ihrem Volvo 850, Baujahr 1995, ins Rennen. „Nordlichter unter dem Radar“ nennen sich die Beiden. „Wir kennen Marc Baehr persönlich und sind auch schon einige Rallyes gefahren“, erzählte Schröter kurz vor dem Start. Auch die Müngstener Brücke hatten sie schon früher besucht. Neben dem Spaß an der Sache haben sie sich der Unterstützung der Seehundstation Friedrichskoog verschrieben, für die sie im Zuge der Rallye, und auch darüber hinaus, Geld sammeln. Derartiges Engagement für einen guten Zweck war Grundvoraussetzung für die Teilnahme an der Rallye.

Das Ehepaar Milli und Klaus Grah geht wiederum für die „Bergischen Lebensretter“ an den Start – und warb auch vor ihrem Mercedes SLK aus dem Jahr 1999 mit symbolisch aufgestellten Übungspuppen für den Verein. Bei der Abfahrt heimsten sie als Team „Ü 80er“ einen warmen Sonderapplaus ein. Auch jenseits der Schranke jubelten viele Besucher des Brückenparks den vorbeifahrenden Rallye-Startern zu.

 In die Fahrtenbücher aller 40 Teilnehmer setzte Annabell Schleder vor der Abfahrt einen „Müngstener Brücken-Stempel“.
In die Fahrtenbücher aller 40 Teilnehmer setzte Annabell Schleder vor der Abfahrt einen „Müngstener Brücken-Stempel“. Foto: Guido Radtke

Die durchfuhren am Samstag mit dem Oberen Mittelrheintal bereits die erste von zahlreichen Welterbestätten entlang ihrer Route. Über eine Distanz von gut 300 Kilometern ging es am ersten Tag bin ins rheinland-pfälzische Germersheim. Erfahrungsgemäß durfte sich bis dahin die größte Aufregung gelegt haben – für Milli und Klaus Grah allemal: „Hätten wir uns nicht angemeldet“, sagte Milli beim Start, „würden wir es später vielleicht bedauern.“