Müngstener Brücke: Sanierung verzögert sich

Müngstener Brücke : Sanierung der Brücke verzögert sich

Die Rostschäden sind größer als gedacht. Darum könnte die Instandsetzung entgegen der Planung bis zu zwei Jahre länger dauern.

Die Arbeiten an der Müngstener Brücke ziehen sich in die Länge. Eigentlich sollten die umfassenden Sanierungen an dem aus dem späten 19. Jahrhundert stammenden Bauwerk zwischen Solingen und Remscheid Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Doch daraus wird nichts. Denn wie jetzt eine Sprecherin der Deutschen Bahn AG als Eigentümerin der Brücke auf Nachfrage bestätigte, sind zuletzt einige Schäden zu Tage getreten, die einen pünktlichen Abschluss der Gesamtmaßnahme hinauszögern.

„Die Arbeiten werden aller Voraussicht nach etwa ein bis zwei Jahre mehr in Anspruch nehmen“, sagte die Bahn-Sprecherin. Was im Klartext bedeutet, dass die letzten Baugerüste an dem 107 Meter hohen Stahlkoloss über dem Tal der Wupper möglicherweise erst im Verlauf des Jahres 2020 wieder verschwinden werden.

Der Hintergrund: Im Zuge der augenblicklich laufenden Anbringung eines neuen Korrosionsschutzes zeigte sich relativ schnell, dass die Rostflächen unterhalb des bisherigen, über 50 Jahre alten Anstrichs doch erheblich größer sind, als dies zunächst angenommen worden war. „Etliche schadhafte Stellen kommen erst bei genauer Überprüfung zutage“, hieß es bei der Bahn AG, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das denkmalgeschützte Bauwerk für die nächsten Jahrzehnte fit zu machen.

Beispielsweise wurde bereits vor einiger Zeit die Erneuerung des Brücken-Gleisaufbaus auf der gesamten Länge des Bauwerks von immerhin 465 Metern abgeschlossen. Und auch der Austausch der in die Jahre gekommenen Rollenlager, die die ständigen Bewegungen der Brücke ausgleichen müssen, ist mittlerweile erledigt.

Insgesamt nimmt die Deutsche Bahn AG für die erste umfassende Instandsetzung der Müngstener Brücke seit den 1960er Jahren erhebliche Anstrengungen auf sich. So dürfte sich die Höhe der Ausgaben am Ende sämtlicher Arbeiten auf eine Summe von ungefähr 30 Millionen Euro belaufen – wobei es lange Zeit eher so ausgesehen hatte, als wäre die bis heute höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands für den Konzern Bahn lediglich noch ein sprichwörtlich lästiger Klotz am Bein.

Zwischenzeitlich hatten sogar Überlegungen existiert, die 1897 nach dreijähriger Bauzeit eröffnete Stahlkonstruktion abzureißen und einfach durch einen Neubau aus Beton zu ersetzen. Allerdings formierte sich nach Bekanntwerden dieser Pläne in der Region massiver Widerstand, der seinerseits zur Folge hatte, dass die Bahn AG dergestalte Gedankenspiele letztlich wieder beendete.

Eine Entscheidung, die man im Unternehmen nicht bereut. „Die Müngstener Brücke ist etwas besonderes“, hob die Bahn-Sprecherin jetzt noch einmal die Bedeutung des Bauwerks hervor, das mit einigen anderen vergleichbaren Brücken in Europa längst als herausragendes Beispiel für die Ingenieurskunst des frühen Industriezeitalters gilt.

Deshalb gibt es seit einigen Jahren Bestrebungen, die Müngstener Brücke – gemeinsam mit „Schwester“-Bauten in Portugal, Frankreich und Italien – als serielles Weltkulturerbe auf der entsprechenden Liste der UNESCO eintragen zu lassen. Um diesen Prozess voranzutreiben, haben bereits mehrere internationale Tagungen stattgefunden. Mit einer Entscheidung wird in einigen Jahren gerechnet.

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