Motorsport-Geschichte made in Solingen

Buch zum „Bergischen Löwen“ in Zolder : Motorsport-Geschichte made in Solingen

Autor Andreas Seidel widmet sich in seinem neuesten Buch den frühen Jahren des Rundstreckenrennens „Bergischer Löwe“ in Zolder.

Mitten im Gespräch klingelt das Telefon: „Steht der Termin?“ fragt der Anrufer. Hausherr Andreas Seidel bestätigt. In wenigen Tagen wird der Solinger Buchautor sein neues Werk „Bergischer Löwe/ Zolder 1970 – 1976“ langjährigen Motorsport-Fans vorstellen – und dabei vermutlich noch einmal allerlei amüsante Anekdoten zu hören bekommen. Viele hat er bereits auf Papier festgehalten: in den letzten Jahren in seiner Trilogie über den legendären Klingenring-Bergpreis – und nun auch über das von Solingern veranstaltete Rundstrecken-Rennen im belgischen Zolder.

Der Autor erinnert die Leser etwa an Rennleiter Wolfgang Wilcke, den Zeitgenossen wegen seines Führungsstils auch „Löwe von Zolder“ nannten, und dessen Tochter später als einzige Frau ihrer Zeit ebenfalls diese leitende Funktion übernahm. Oder an „Turbo-Maus“ Waltraud Stöhr-Odenthal, die im Ford Capri RS die männliche Konkurrenz mächtig ins Schwitzen brachte. Oder auch an Keke Rosberg, der als Formel V-Fahrer ebenfalls in Zolder antrat. „Keke brauchte immer die Siegprämie, damit er zurück nach Finnland kam. Gewann er nicht, haben wir den Hut rumgehen lassen“, soll Rennfahrer-Kollege Prinz Leopold von Bayern über den späteren Formel 1-Weltmeister gesagt haben.

Das Vorwort seines Buches überließ Seidel einem Stammgast des „Bergischen Löwen“: Motorsportler Uwe Reich, auch als „schnellster Steuerberater Deutschlands“, bekannt, liefert den Einstieg in die 250 Seiten. Und auf denen findet der Leser neben vielen Rennberichten auch Fotos in bunt und schwarz-weiß, die das Herz mancher Nostalgiker höher schlagen lassen dürften – und wie in früheren Werken des Autors umfangreiche Ergebnislisten der Obersten Nationalen Sportkommission für den Automobilsport (ONS). „Dafür habe ich zwei Jahre lang recherchiert“, berichtet Seidel.

Natürlich erklärt er in seinem Buch auch, wie alles begann: Am 2. und 3. Mai 1970 richteten die Motorsport Freunde Honsberg aus Radevormwald das erste Championat Bergischer Löwe aus – mit dem in Solingen beheimateten Motorsportverband Bergisch-Land als Veranstalter. Letzterer übernahm ab dem darauffolgenden Jahr die komplette Federführung für das Rennen, bei dem das schlechte Wetter gewissermaßen zum guten Ton gehörte. Es bildete einst den Saisonauftakt für die Vorläuferwettbewerbe zum heutigen Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM).

Dass die Solinger die rund vier Kilometer lange, 1963 eröffnete und mehrfach modifizierte Strecke in Zolder als Schauplatz des internationalen Wettstreits auserkoren, hatte laut Seidel praktische Gründe: „Da es im Bergischen Land keine Rundstrecken gab, wollte man das Rennen so nah wie möglich legen.“ Der Nürburgring stand zur Debatte – schied aber aus. So wurde es die Stadt in Schlagdistanz zu Aachen. Bis 2002 fand dort letztlich der Bergische Löwe statt. „Diese ganze Zeit abzubilden, wäre aber zu viel für ein Buch“, sagt Seidel. Und so können Motorsportfreunde schon auf sein nächstes Werk gespannt sein, das der Autor für das kommende Jahr anpeilt.

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