Mordprozess: Zeugin belastet Kindsmutter schwer

Mordprozess : Zeugin belastet Kindsmutter schwer

Am Wuppertaler Landgericht wurde der Mordprozess um den Tod eines zweijährigen Mädchens fortgesetzt. Eine Bekannte der Mutter erhob schwere Vorwürfe gegen die Frau.

Beim Mordprozess um den Tod eines zweijährigen Mädchens vor dem Wuppertaler Landgericht lagen die Nerven am Mittwoch blank. Der angeklagte Ex-Freund der ebenfalls vor Gericht stehenden Mutter des Kindes rief in den Saal, er sei unschuldig. Schon zuvor hatte eine ehemalige Freundin der mitangeklagten Mutter des an schweren Misshandlungen gestorbenen Mädchens weinend auf dem Zeugenstuhl gesessen.

Fünf Jahre seien die beiden Frauen beste Freundinnen gewesen. Bis zu jenem Tag im vergangenen Dezember, als sie ihre Freundin vor deren neuem Lebensgefährten gewarnt habe. Danach sei der Kontakt abgebrochen – bis zum Tag nach dem Tod des Mädchens, als sie dessen Mutter zu sich geholt habe. Über deren Verhalten sei sie entsetzt gewesen.

„Sie wollte raus nach Köln, feiern gehen“, erinnerte sich die Zeugin an verstörende Eindrücke. Sie habe dann noch gefragt, ob Handyvideos von den Misshandlungen gemacht wurden – und das habe ihre Freundin bejaht. Ferner soll die Mutter des getöteten Kindes geglaubt haben, schwanger zu sein und gesagt haben: „Wenn das so ist, bringe ich dieses Kind auch um.“ Auf das Wort „auch“ angesprochen und auf die Frage danach, ob sie es bereue, habe die Frau kein Wort mehr gesagt. Im Übrigen habe die Mutter des Mädchens gerne Horrorfilme geschaut und sich ganze Serien solcher Filme bei ihr ausgeliehen.

Zuvor hatte bereits eine Nachbarin der angeklagten Mutter ausgesagt, die jedoch am Tattag nichts Außergewöhnliches gehört haben will. Hatte sie bei ihrer polizeilichen Vernehmung noch angegeben, dass das Kind in den Wochen vor seinem Tod in einem ungewohnten Ton geweint habe, so will sie sich nun nicht mehr daran erinnern können. Sie habe nicht lauschen wollen. Und wenn es laut gewesen sei, habe sie einfach den Fernseher lauter gemacht.

Kurz nach der Tat hatte sie zudem angegeben, in der Wohnung nebenan häufiger eine Männerstimme gehört zu haben. Sie habe den Mann nie gesehen, aber er soll dem Kind gesagt haben, dass es ruhig sein und schlafen solle. Auch daran konnte sich die Zeugin nun nicht mehr erinnern. Was mit der Zweijährigen passiert sein soll, habe sie nur zufällig erfahren, als sie zum Waschen in den Keller gegangen sei. Die Mutter habe ihr an der Türe gesagt, dass das Kind tot und ihr Freund daran schuld sei.

Der Prozess vor dem Landgericht in Wuppertal läuft seit vergangener Woche. Mit einem Urteil gegen die Angeklagten wird für Ende September gerechnet.

Mehr von RP ONLINE