Solingen: Mord: Spur zu Obdachlosen

Solingen : Mord: Spur zu Obdachlosen

Auch fast zwei Monate nach dem Mord an einer 63-jährigen Lehrerin in Solingen fahnden die Ermittler weiter mit Hochdruck nach dem Täter. Unter anderem wird auch die Obdachlosen-Szene unter die Lupe genommen.

Noch immer ist der Mörder der 63-jährigen Monika Byrne-Weesbach auf freiem Fuß. Die Grund- und Hauptschullehrerin war am 30. März tot in ihrer Wohnung am Solinger Neumarkt aufgefunden worden. Doch nun verfolgen die Ermittler der eigens eingerichteten Mordkommission "Neumarkt" sowie der Wuppertaler Staatsanwaltschaft eine neue Spur, die ins Solinger Obdachlosen-Milieu führt. Dies berichtete der zuständige Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt gestern Nachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bereits im vergangenen Jahr hat die Polizei mit diesem Zettel nach dem Täter gefahndet. Foto: Polizei

Kontakte ins Milieu

Zwar betonte Kaune-Gebhardt weiter, dass noch "keine konkrete Person im Verdacht steht", die beliebte Pädagogin Ende März ermordet zu haben. Und die Fährte zu den Obdachlosen ist überdies nicht der einzige Ermittlungsansatz der Beamten. Gleichzeitig hatte das Mordopfer nach Informationen der Morgenpost aber durchaus Verbindungen zu der Gruppe der Obdachlosen in der Klingenstadt. So soll sich Monika Byrne-Weesbach, die in den 70er-Jahren aus England nach Solingen kam, öfters um Personen in diesem Milieu gekümmert haben, die unter anderem Obdachlosen-Zeitungen zum Verkauf anbieten. Staatsanwalt Kaune-Gebhardt bestätigte gestern, dass den Fahndern solche Kontakte bekannt sind, wollte aber aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben zum Stand der Untersuchungen machen.

Darüber hinaus vermochte der Wuppertaler Anklagevertreter auch noch nicht abzuschätzen, wann mit einem Fahndungserfolg zu rechnen sei. Denn die Untersuchungen zum Fall erwiesen sich bislang recht kompliziert. So hatte das 63-jährige Mordopfer bereits mehrere Tage tot in seiner Wohnung gelegen, ehe es schließlich gefunden wurde. Ein Bekannter der Frau hatte zuvor eine mysteriöse SMS bekommen, in der ein weiterer Freund von Monika Byrne-Weesbach beschuldigt worden war, die Lehrerin umgebracht zu haben.

Der Vorwurf erwies sich später als haltlos. Und auch eine groß angelegte Handzettelaktion, mit der die Polizei in der vergangenen Woche die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung des Verbrechens bat, brachte bisher nicht den gewünschten Erfolg. Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt wollte aber gestern Nachmittag nicht ausschließen, dass noch Hinweise eingehen.

Die Ermordete, die erst 13 Tage nach Entdeckung der Leiche obduziert wurde, als feststand, dass Gegenstände aus der Wohnung fehlten, war lebend zuletzt am 28. März, dem Sonntag der Zeitumstellung, gesehen worden.

(RP)
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